Archiv für den Monat November 2013

Dahoam: Satz mit Oh!

Die folgende Geschichte sei jenem Kollegen aus Ostbayern gewidmet, von dem der folgende Witz stammt. Frage: „Wie bringt man einen Oberpfälzer zum Bellen?“ Antwort: „Indem man ruft: Es gibt Freibier! Dann hört man: Wau, wau, wau?“ Wobei das laufmalerische „Au“ hier für einen sehr speziellen Vokal steht, der eher wie ein langes Oh klingt und deshalb hier so geschrieben wird.

Wem es nicht ganz klar ist, wie dieser Buchstabe ausgesprochen wird, dem sei Hubert Aiwanger empfohlen – der einzige Mensch, der es fertigbringt, eine ganze Rede auf „Tagesschau“-Länge nur mit diesen Lauten zu gestalten.

Die bayerische Mundart ist ja aus dem Fernsehen bekannt, auch wenn die Macher sie manchmal mit Österreichisch verwechseln. Das Wort „dahoam“ enthält den Laut, im letzten Jahr bundesweit bekannt geworden durch das „Finale dahoam“, was richtigerweise Finohle heißt.

Es beginnt schon kurz nach dem Start in München-Ost. Durch die Gänge der Regionalbahn schallt es: „Willkommen in der Südostbayern-Bohn auf der Fohrt nach Mühldorf über Mohrkt Schwohben, Ohmpfing“ und so weiter und so fohrt der Zug Richtung Ohsten. Klar, sonst müsste der Bahnhof ja München-Ast heißen. Heißt er aber nicht.

So hat es seine Berechtigung, dass offensichtlich bei der Südostbayern-Bahn nur Personen eingestellt werden, die ein sauberes Oh sprechen. Voraussetzung dafür ist eine Heimat in den bayerischen Regierungsbezirken Niederbayern und Oberpfalz, was man auch gemeinhin als Ostbayern bezeichnet, also jede weite, hügelige Landschaft rings um Regensburg, Landshut, Passau, von Amberg über Deggendorf bis Traunstein.

Denn Bayern ist groß (Franken nicht zu vergessen) und schön nach dem Motto: „Wohnen wo Andere Urlaub machen“, das war die Werbung, als wir ein Haus suchten – was vor allem auf den Bayerischen Wald zutrifft, die Heimat der „Wäldler“, wie man sie hier im Tiefland nennt.

Andererseits ist Bayern auch klein, zumindest geistig. Als wir vor einigen Jahren unser Obst zu einem Bekannten bringen wollten, verweigerte der die Annahme, weil „das Material“ für den Schnaps nicht aus Oberbayern sei, sondern über eine Bezirksgrenze geschafft würde. Dass da eine ist, wusssten wir zwar schon; schließlich ist ein Schild an der Straße. Aber von dem Verbot des Transports hörten wir bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal. In der Tat geht das Gesetz auf vor-napolitanische Zeit zurück, aber eine Klage dagegen sei nicht sinnvoll, meinte ein befreundeter Anwalt. Es könnte ja für rechtskräftig erklärt werden oder die Genehmigung ganz aufgehoben werden. Also gaben wir an, dass die Birnen von einem oberbayerischen Baum gefallen seien – so genau sah man ihnen das ja nicht an.

Oh, oh, Oberbayern, kann man da nur sagen.

(30. 11. 2013)

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Name: Schall, Rauch und sonstwas

Es war in einer englischen Jugendherberge. Der „Warden“ hatte alle Ausweise vorliegen, an der Handschrift lag es also nicht. Trotzden wollte er unsere Namen wissen, doch zu mir sagte er: „Let’s say Ivan.“ Man ist ja so einiges gewohnt, wenn man einen komplizierten Familiennamen hat, aber er hatte einfach die letzte Silbe genommen und so verkürzt, wie es für ihn einfach auszusprechen war.

Häufiger sind Versuche, die mit Löhne anfangen und auf Ysen enden. Dabei gehört jener Bestandteil zwingend zum Namen, wie nicht nur jener Engländer erkannte, sondern auch die Mitschüler, die der naheliegende Abkürzung „Löhni“ eine Abfuhr erteilten und mich lieber „Eisen“ riefen. Bestandteil ist es deswegen, weil das Eisen namensgebend war: Er entstand in der Oberpfalz, dem „Ruhrgebiet des Mittelalters“ (frag‘ die ehemaligen Beschäftigten der Maxhütte). Dort erhielt einer der Vorfahren einen örtlichen Eisenhammer zu Lehen, was Lehneisen oder Lehneiß ergab – alles Verwandtschaft, wenn auch ziemlich entfernt.

Verwandt sind diejenigen, die von Georg Engelhard (1552-1622, Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Engelhard_von_Löhneysen) abstammen. Er war, da evangelischen Glaubens und ziemlich prinzipientreu, also wanderte er lieber aus, als seinen Glauben seinen Herren anzupassen – anders herum wollten die nicht. Seit ihm ist die Familie großenteils nicht mehr in der Oberpfalz zuhause, sondern in Norddeutschland beziehungsweise Niedersachsen.

Was Aussprache und Schreibweise des Nachnamens angeht, ist ein wesentlicher Durchbruch festzustellen: Seit Tina v. L. in Tagesschau und Tagesthemen aktiv ist, scheint das sehr vielen Leuten klar. Vergleichbar ist das nur mit dem Erscheinen von Daniel Küblböck, der den Ort Eggenfelden (Teil der Anschrift) bundesweit bekannt gemacht hat. Es sind bei Tina allenfalls Fragen nach der Art der Verwandtschaft zu beantworten. Über den Einfluss des Fernsehens muss man seitdem jedenfalls nicht mehr diskutieren.

Noch Fragen?

(28. 11. 2013)

UHD: Das nächste große Ding?

Ein beliebtes Thema in der Elektronikbranche ist seit kurzem 4k oder Ultra-HD, was weitgehend das Gleiche ist, nämlich ein Bild von vierfacher Pixelzahl gegenüber Full-HD (3.840/4.096 x 2.160) und damit quasi das „nächste große Ding“. Schließlich muss nach Full-HD etwas kommen, 3D zum Beispiel war es nicht. Aber irgendetwas wird kommen, das ist man doch so gewohnt.

Muss es wirklich? Meine Skepsis soll ein wenig begründet werden.

Warum eigentlich die Pixel-Vervielfachung? Man kennt die regelmäßige Steigerung der Pixelzahlen aus der PC-Welt und der Informationstechnik. Dort folgt auf ein System mit XGA-Pixelzahl eines mit SXGA oder QXGA, ganz egal, ob man es braucht oder nicht. Das gilt für Monitore genau wie für Grafikkarten, für Digitalkameras oder Webseiten-Material. Wobei ein wichtiger Unterschied festzuhalten ist: Bildschirma mit QXGA-Pixelzahl zeigen auch Bilder mit geringerer Auflösung als 2.048 x 1.536, die Grafikkarte rechnet die Bildpunkte hoch. Damit sind alle Pixel aktiv, allerdings ohne zusätzliche Informationen und Detailschärfe. Der Übergang von Weiß zu Schwarz besteht in Originalauflösung aus einem Pixel, bei QXGA können es dagegen vier- oder achtmal so viele sein und entsprechend breiter ist er. Das heißt nun nicht, dass es unscharf und entsprechend niedrig auflösend wird. Aber die Pixelzahl allein macht halt noch kein detailreiches Bild, vor allem nicht bei Displays oder Monitoren.

Was jetzt nicht heißen soll, dass jede Linien acht- oder x-mal so breit wird, und das Bild damit nicht anzuschauen. Aber es wird nicht besser durch immer mehr Pixel. Da müssten wir ja heute gar nicht mehr wissen, wohin zu schauen, wo doch überall Full-HD-Schirme stehen, aber nur Standard-TV darauf läuft.

Zuerst aber mal stellt sich die Frage, ob man die Details überhaupt sieht. Für Full-HD gibt es die Größenordnung von etwa dreifacher Bildhöhe als Abstand, für normales TV das Fünf- bis Siebenfache. Wer zu weit weg sitzt, nimmt die Feinheiten gar nicht wahr, wer näher kommt, sieht vor allem einzelne Pixel und deren Störungen. 4k ist idealerweise zu sehen aus etwa 1,5-facher Bildhöhe, doch auch das setzt gute Augen voraus.

Das musss nun auf keinen Fall bedeuten, dass eine Hochskalierung sinnlos ist – im Gegenteil kann das Bild dadurch sogar bessser werden. Manche Rechenverfahren zum Beispiel erkennen, dass eine Kante von einem harten Schwarz-weiß-Übergang stammt und stellen das auch mit vielen Pixelm so dar. Allerdings sind dafür gute Signalerkennung und ausreichend Speicher notwendig. Dann ist eine Skalierung sinnvoll.

Aber: Mehr Pixel machen das Bild nicht automatisch besser. Es kann auch gewaltig zu flackern beginnen, es kann matschig wirken oder künstlich. Natürlich wird das Bild dadurch nicht schlechter. Es gibt jedoch mehr Argumente, die gegen den Pixel-Wettlauf sprechen.

Im Kino: der Normalfall

Da wo die ganz großen Bilder zuhause sind, wird sich 4k aber durchsetzen: im Kino. Schon jetzt arbeiten alle Sony-Projektoren mit dieser Auflösung, auch mit DLP ist das möglich, wenn auch noch lange nicht selbstverständlich. Aber das wird kommen.

Denn ein 4k-Chip ist nur einen Tick größer als einer mit 2k-Pixelzahl, sowohl bei LCoS (Sony) als auch bei DLP (Texas Instruments). Richtig ist auch, dass die höhere Auflösung nur wenigen Zuschauern nützt. In der Tat sitzen die Besucher in den vorderen Reihen so nahe an der Leinwand, dass es für sie einen Unterschied ausmacht, wie groß die Pixel sind.

Und nicht zu vergessen: 1,5-fache Bildhöhe als Abstand ist das Optimum, aber die Verbesserung beginnt, sobald man den Regelabstand von Full-HD unterschreitet. Wer also auf 2,0- oder 2,5-facher Bildhöhe sitzt, profitiert von 4k.

Das System ist damit die Entsprechung zu Surround: Es vergrößert die Anzahl der guten Sitzplätze in den Kinos, und zwar unabhängig von der Größe der Leinwand.

Für einen Kino-Besitzer gibt es also nichts dringenderes als in diese Technik zu investieren. Schließlich muss er auch nicht damit rechnen, dass kein Nachschub an Filmen zur Verfügung steht. Immerhin ist das 4k-Format Teil des DCI-Standards für digitale Kinos.

Quellen: Her damit

Kinofilme sind heute schon und noch mehr in Zukunft die wichtigste Quelle für Ultra-HD. Das hat mehrere Gründe:

  1. 4k ist als Teil der DCI-Norm vorgesehen und sogar kompatibel mit 2k, sprich: Ein digitales 4k-Master ist auch für 2k geeignet, die Erweiterung vergrößert zwar die Datenmengen, stört aber nicht bei der normalen Wiedergabe.
  2. Das Filmmaterial gibt durchaus die Qualität her, die man für 4k braucht. Es ist zwar nicht korrekt, 4k mit 70-mm-Film gleichzusetzen, ganz einfach weil analoges Material andere Besonderheiten aufweist als digitales. Aber es ist die nächste Qualitätsstufe nach normalem 35-mm-Film. Anders als 70-mm-Material muss man dafür auch keinen Wiedergabe-Nachteil oder Extra-Kosten in Kauf nehmen.

Viele Kinoserver und zahlreiche Projektoren kommen mit 4k-Material klar, also ist eine ausreichend breite Abspielbasis gesichert. Zudem ist es einfach, die Filme zu verteilen. Es muss eine ausreichend große Festplatte her, den Rest regelt die DCI-Norm.

Dazu sind immer mehr digitale Kameras für diese Pixelzahl vorbereitet, sei es von Red oder von Sony oder von anderen Anbietern. Wer es zuhause sehen will, hat natürlich keinen Zugang zu diesem Material – da ist die Raubkopie-Paranoia á  la DCI vor. Dafür hat man eine andere Quelle und zwar die Digitalkamera. Standbilder hat man noch nie so hochauflösend sehen können wie auf einem UHD-Schirm, außer in Ausschnitten auf einem PC-Monitor; und man kann daraus wunderbar einen Film machen, zum Beispeil so: www.DIGITAL.eu/2013/04/canon-eos-5d-mk-2-3-firmware-von-magic-lantern-ermoglicht-raw-videos. Fertig ist der UHD-Film, wenn man einen PC mit aktueller HDMI-Karte besitzt.

Sender tun sich mit Ultra-HD schwer, wo doch viele schon ein Problem mit HDTV haben. Weder Kameras noch Studio-Ausrüstung sind dafür vorbereitet. Noch rar sind dagegen wirkliche Kinofilme für den Bildschirm zuhause, auch wenn das mit Blu-ray Disc und HEVC kein allzu großes Problem sein sollte. Man muss es nur wollen – und machen.

Allerdings bleibt offen, ob damit ein Geschäft zu machen ist.

Nicht vergessen sollte man aber Webseiten, Schriften oder Karten, die von 4k immens profitieren.

Bildgröße: viermal HD

Darüber hinaus sollte man noch eine Option für UHD nicht unerwähnt lassen: Man kann die notwendige Pixelzahl locker mit viermal Full-HD erreichen, seien es vier Kameras zur Aufnahme, vier Kanäle für die Übertragung (wie Eutelsat) und vier Bildschirme bei der Wiedergabe. Mit Technik von heute ist also UHD jederzeit möglich. Es müssen nur die vier Bestandteile genau zueinander passen.

Das macht das Ganze zudem ungeheuer preiswert, zumindest wiedergabeseitig. Schließkich ist Full-HD heute der Normalfall, und das Vierfache auch noch machbar.

Daher ist auch ein 4k-Bildschirm denkbar, ohne gleich astronomische Summen zu kosten. Sie werden vielmehr schon heute gefertig, bei Samsung genau wie LG oder Innolux oder AUO. Nur dass man heute aus einem Glas sechs oder acht solchen Displays schneidet. Wer heutige Bildschirme mal vier nimmt, etwa 47 oder 55 Zoll, kommt auf einen UHD-Schirm mit 94 oder 110 Zoll Diagonale. Dafür ist nicht einmal eine neue Technologie notwendig, nur eine Veränderung im Anschaffungsverhalten und im Aufbau der Wohnzimmer. Es ist schließlich mehr als normal, dass eine ganze Wand zum Fernseher wird – aber machbar, wenn man diese Größe transportieren kann.

Nur: Was macht man darauf? Es wäre schließlich Unsinn, drei oder vier Meter davon weg zu sitzen.

UHD: Neue Technologie?

Wie man sieht, ist Ultra-HD vor allem eine Weiterentwicklung von Full-HD. Es zur neuen Technologie zu erklären, ist wesentlich übertrieben. Die Pixelgröße an einem Bildschirm entspricht der von kleiner, aber hochauflösenden Displays, bei der Aufnahme ist die Bewegung das entscheidende Hindernis, denn die Auflösung beherrscht heute schon jede Digitalkamera. Neu sind dagegen die Schnittstellen, von HDMI über VGA bis zur Codierung in HEVC, die Übertragung und Speicherung, sei es online oder offline.

Neue Technik braucht man in der Tat für die Datenkomprimierung: Hier gilt es, die Daten auf beherrschbare Mengen unter 20 Mb/s zu reduzieren. Die passen in heutige Speicherungs- und Übertragungs-Verfahren. Eine der Methoden ist der Übergang von Makroblocks auf Coding Tree Units, also große Blöcke. Bei dieser Gelegenheit hat man auch 8k festgezurrt, also 4k mal vier oder Full-HD mal 16.

Auch hier hält sich der Neuheitenwert in Grenzen. Dann fast jede preiswerte Digitalkamera kann Bilder von 7.680 mal 4.320 Bildpunkte (8k) aufnehmen, aber halt nicht 50-, 60- oder gar 120-mal in der Sekunde.

Aufnahme und Übertragung

Auch wenn die Bildsensoren die Pixelzahl beherrschen, ist das Herstellen eigener 4k-Filme nicht so einfach. Schließlich hat sich noch kein Arbeitsablauf etabliert, die das bei normaler oder hoher Auslösung mit DV oder AVCHD üblich ist. Das Problem ist es derzeit, eine passende Kamera zu finden, aber da hat Sony schon Einiges im Angebot, wenn auch nicht direkt zu verbraucherfreundlichen Preisen. Auch hat sich noch keine Codierung als UDH-Standard etabliert, hier ist Sony mit XAVC führend, mit wenig Abstand folgt Google mit VP9.

Dabei muss man damit rechnen, die Datenrate ein wenig, aber nicht massiv verringern zu können. Mehr als 20 Mbit/s sind bei anspruchsvollem Material und guter Bildqualität schnell zusammen, oft sind es deutlich mehr – etwa auf Youtube oder anderen Portalen, von denen es inzwischen eine ganze Reihe gibt. Auch kann man nicht wie selbstverständlich davon ausgehen, dass 4k-Content von den Besuchern einer Webseite angenommen und gesehen wird. So einfach wie bei normalem Video ist es jedenfalls mit UHD nicht mehr. Selbst normale DSL-Leitungen mit 16 Mbit/s kommen hier schnell an ihre Grenzen, die bessere Lösung ist der Download des Films.

Sky: UHD soll kommen

Bei Sky in München war man lange Zeit zurückhaltend, was die Aussichten von HDTV angeht. Inzischen sind die Abo-Zahlen ordentlich gewachsen, das HD-Angebot wird angenommen. Weil der Erfolg beim ersten Versuch so durchschlagend war, soll er nun wiederholt werden: mit UHD. Bereits beschlossen scheint die Tatsache, den nächsten Empfäger UHD-tauglich zu machen, sowohl bei der Decodierung als auch in der Buchse, wahrscheinlich per HDMI.

Welches Material Sky in dieser Qualität senden kann, bleibt die Frage. Dass Sony gern mit Kameras aushilft, hat man in der Vergangenheit schon gesehen. Auch übriges Studio-Equipement könnte aus dieser Quelle kommen, denn ein spezieller Kanal würde helfen, Fernseher und mehr zu verkaufen. Unter Profis ist Sony bereits recht aktiv, was 4k angeht.

Abwärtskompatibilität

Eine sehr interessante Option bietet der Standard von HEVC, nämlich die Einbettung des Full-HD-Signals in den HEVC-Datenstrom. Dann sind die nicht lesbaren HEVC-Bestandteile lediglich Zusatzdaten, die ein normaler HD-Empfänger einfach unbeachtet lässt. Es steht also ein von jedem Empfänger lesbares Signal bereit, das aber nicht 4k- oder UHD-Auflösung hat. Aber es kann von jedem Teilnehmer gesehen werden, der bisher schon HD empfang. Eine neue Box oder ein anderer Tuner sind also nur notwendig, wenn man 4k wirklich sehen will.

Nachteilig bei dieser Lösung ist die etwas verschlechterte Effizienz. Die Summe aus HD- und Zusatz-Daten ist etwas größer als ein reines HEVC-Signal, das allerdings von niemand gesehen werden kann, der die Anschaffung scheut. Besonders attraktiv wäre diese Option bei Empfang übers Web. HEVC-Daten könnten dann wie bisher über Breitbandleitung geschickt werden oder auch über die TV-Infrastruktur kommen. Die Zusatz-Pakete dagegen rauschen über die Web-Leitung, und werden im Empfänger zu einem 4k-Bild zusammengesetzt.

Hier besteht das Problem in der Ungleichzeitigkeit beider Teile, die zum Beispiel eine Sport-Übertragung nahezu ausschließen – wenn man nicht eine enorme Verzögerung in Kauf nehmen will. Auch wäre Empfänger-seitig viel Speicher notwendig, was die Kiste wieder teuer macht.

Noch ist unklar, ob jemand diese Option nutzen will.

Pixel als Störung

Dei CD-Playern kennt man es schon länger, nun passt es auch zu Bildschirmen: das Oversampling. Das ist ein Begriff aus der Digitaltechnik, die mit fest zugewiesenen Werten arbeitet. Im der Bildverarbeitung geht es da nicht um Tonhöhen und Lautstärken, sondern um hell oder dunkel, rötlich oder einen anderen Farbton. Es geht aber immer um genau einen Punkt, aber der Nachbarwert kann schon ganz anders aussehen. Eine Störung ist zum Beispiel denkbar in Form einer waagrechten Linie, die sich bewegt. Je nachdem, wie breit sie ist und wie genau die Abtastung erfolgt, kann sie genau eine oder auch zwei Pixel umfassen – zu sehen auf einem normalen Bildschirm als Flattern.

4k, 8k beziehungsweise UHD wietet nun die Möglichkeit, diese Fehler zu beseitigen – weil man nämlich einzelne Pixel beziehungsweise den Unterschied zwischen einem und zwei Pixeln gar nicht mehr erkennen kann. Das Bild wirkt dann so oder so flächig und artefaktfrei. Wer aber wirklich die maximale Auflösung sehen will, kommt an die Grenzen dieses Verfahrens. Und muss mit Fehlern leben.

Ultra-HD: Ob es etwas wird?

Wie bereits erläutert, liegen die Probleme nicht in der Technik. Sondern die gebotenen Skepsis hat andere Gründe.

  • Mangelnde Nachfrage. Während es bei normalen Fernsehen keine Frage war, ist das bei HDTV eher nicht der Fall. Die Nutzer verlangen nicht lautstark nach einer neuen, besseren Norm. HD ist vor allem angetrieben worden von den immer größer werdenden, immer besseren flachen Bildschirmen. Die stehen aber nun in vielen Haushalten, die alle nicht über schlechtes Bild klagen – zumindest wenn sie HDTV empfangen.
  • Großbildschirme sind die Ausnahme. Heute hat ein normales TV-Gerät eine Diagonale von 40 oder 42 Zoll, darauf ergibt jedoch UHD keinen Sinn – selbst wenn sie es darstellen könnten. Es wäre auch eine absurde Situation, wenn die Standard-Breite zwei Meter und mehr messen würde. Dafür sind die Wohnungen nicht vorbereitet.
  • Mangelnde Kompatibilität. Wer heute in Ultra-HD ausstrahlt oder seine Filme vertreibt, muss eine ganz neue Infrastruktur aufbauen. Das gibt für TV-Sender genau wie für Film-Anbieter, für Farbsignale wie Rec. 709/Rec. 2020. gleichermaßen.
  • Hohe Preise. Die Branche hat die fatale Neigung, jede Qualitätssteigerung mit einem satten Preissprung zu verbinden. Irgendwann muss man schließlich Geld verdienen.
  • Sieht man es? Wer großspurig in sein Wohnzimmer einlädt, muss damit rechnen, die Besucher zu enttäuschen: Der Unterschied zu HD ist für UHD viel zu klein, solange die Bildgröße bei einem Meter bleibt. Und wirklich große Schirme sind noch weit weg, technisch und kommerziell. Dabei sieht man nur auf ihnen die Verbesserung wirklich.
  • Andererseits: Wer hätte vor 20 Jahren erwartet, dass inzwischen ein Meter Diagonale normal ist, dass fast alle Bildschirme HD-tauglich sind?

Es wäre also für einen Durchbruch eine komplette Veränderung der Fernsehnutzung notwendig, weg vom kleinen Kasten und hin zu TV als Wand. Das kann aber noch gut 20 Jahre dauern, wenn es überhaupt Realität wird.

(27. 11. 2013)

 

 

Mein Baum: Hoch gestiegen . . .

Das sind die Kommentare, die man nicht braucht: „Gibt’s dich auch noch?“, „Lebst du überhaupt noch?“, „Wo treibst du dich denn so rum?“ Darauf gibt es eine Antwort, und die muss aus gutem Grund kurz ausfallen.

Denn ich bin seit Jahresanfang, genauer gesagt seit Ende März, nicht mehr im Job. Das liegt daran, dass ich da versucht habe, am Apfelbaum einige Triebe und Äste zu schneiden. Es blieb erstmal beim Versuch, denn die Leiter muss abgerutscht sein. Details weiß ich heute nicht mehr, aber sicher war ich mir zu sicher und zu wenig vorsichtig.

Jedenfalls kann ich heute nicht mehr sagen, ich wäre doch nicht auf den Kopf gefallen. Immerhin machen mir die Ärzte Hoffnung: Man müsse bei Gehirnschäden Geduld haben, die Wiederherstellung könnte ein Jahr oder länger dauern; zurückbleiben würde nichts, sagen sie. Schließlich kann ich Wortfindungsstörungen ohne zu stocken aussprechen, meine Gleichgewichtssinn ist wieder einigermaßen zurück.

In der Tat war es knapp, und ich hätte auf manche Frage „nein“ sagen müssen. Erstaunlich ist, wie vielen Leuten etwas Ähnliches passiert ist, oft auch in der Bekannt- oder Nachbarschaft. Da ist einer nur mal schnell auf einen Baum gestiegen, ist mit dem Roller gegen ein Reh gekommen, konnte wegen Stau nicht in die Klinik gebracht oder geflogen werden; oft genug enden solche Exkursionen tödlich oder mit bleibenden Schäden.

Jedenfalls kann ich von Glück sagen, dass nicht mehr passiert ist, was natürlich auch mit der guten medizinischen Betreuung und meiner Familie zu tun hat. Heute stelle ich fest: „Ja, ich lebe noch“, es gibt mich noch, und ich treibe mich nicht auf Bäumen herum.

PS: Äste am Apfelbaum sind es nicht wert. Aber sie geben gutes Brennholz.

(21. 11. 2013)

Telefon: Der Draht zur Außenwelt

((Bild))Der Zweite von rechts, das war ich . . .

 

Es muss so Mitte der 80-er Jahre gewesen sein. Damals führten wir bei der Zeitschrift Motorrad (zu schreiben in Großbuchstaben, also MOTORRAD) ein neues Konzept ein. Daran war ich beteiligt, und zwar als Ressortleiter Aktuelles – so mein geplanter Job.

Neu war unter anderem, dass jedes Ressort einen eigenen Titel bekam. Es wurde also nicht einfach eine Nachrichtenseite gemacht, wie man das vorher und später erledigt hätte. Statt dessen war ein Ressort-Kopf vorgesehen, auch wenn die Leser erkennen konnten, dass es sich um Nachrichten-Seiten handelt. Der Kopf sollte, so damals die Überlegung, vorstellen, was im Folgenden passiert.

Auf den „Aktuell“-Seiten, so meine Idee, sollte neben dem Titel meine Telefon-Nummer stehen, aus zwei Gründen: Zur Demonstration unserer Offenheit und als Möglichkeit der einfachen Kontaktaufnahme (E-mail gab es damals noch nicht) beziehungsweise Information. Die Idee dazu stammte, das darf ich heute zugeben, aus der Nürnberger Abendzeitung, bei der sich sogar auf der ersten Seite das Telefon fand. Das hat mich damals schwer beeindruckt.

Unsere Kollegen aber waren skeptisch, als sie die ersten Entwürde sahen. „Willst Du das wirklich machen?“ oder „Du wirst ja nicht mehr zur Arbeit kommen“ waren noch die harmlosesten Reaktionen. Man muss dazu sagen, dass ein Telefongespräch damals mindestens 23 Pfennig kostete, teilweise wurde sogar innerhalb eines Ortes nach Zeit abgerechnet; wenn man an den Apparat gerufen wurde, war das immer etwas Besonderes. Es war wichtig, und es war dem Gegenüber sogar Geld wert.

Daher hatten viele Kollegen nicht gelernt, sich am Telefon kurz zu fassen. Selbst die Bitte galt als unhöflich – obwohl die Gegenseite meistens verständnisvoll reagiert, denn auch eine prominent platzierte Nummer anzurufen, gibt als eine Art Ruhestörung, die man ungern begeht. Entsprechend ungeschickt formulieren viele Leser am Telefon, was natürlich in der Redaktion schnell die Runde machte, etwa: „Ich hätte da gern mal ein Problem . . .“ oder „Haben Sie gerade Zeit?“

Im Großen und Ganzen aber muss man sagen, dass Leserkontakte immer sinnvoll sind, auch über den Apparat. Man erfährt etwas von den wirklichen Problemen der Leser, ihren Interessen, Sorgen und Meinungen. Und dass die Leser Zeit stehlen, das kann man wirklich so nicht sagen. Manchmal kommt ein Anruf wirklich ungelegen oder dauert einfach zu lange. Aber das ist mir in all den Jahren nicht oder nur selten passiert.

Aber anders herum ist es wirklich vorgekommen. So habe ich zum Beispiel von der Existenz eines damals noch namenslosen Tonsystems namens Iosono und der Vorstellung auf einer Veranstaltung in Ilmenau übers Telefon erfahren (siehe Blog-Meldung vom 20. 2. 2003, Link http://www.loehneysen.de/archiv/2003/neu02-2003.htm#187 ). Professor Brandenburg jedenfalls kennt mich heute noch.

Was ich dagegen nicht verstehe, das sind Kollegen, die ihre Telefonnummer hüten und geheimhalten. Man müsste doch eigentlich froh sein über jede Rückmeldung. Oder?

PS: Zum neuen Konzept von damals. Eines Tages bekamen wir einen Umschlag mit weißen Papierschnipseln, und ein Leser wollte den Kaufpreis zurück. Begründung: „Das habt Ihr zu bedrucken vergessen“ schrieb er dazu. Dabei war es nur eine Mittelspalte, die vom Konzept her weiß bleiben sollte, wenn sie nicht durch Bildtexte, Kästen-Elemente oder dergleichen gefüllt wurde.

Und weil jemand etwas vermisst hat: Hier meine Telefon-Nummer. 08727-910094. Aber fassen Sie sich kurz . . .

(20. 11. 2013)