Dahoam: Satz mit Oh!

Die folgende Geschichte sei jenem Kollegen aus Ostbayern gewidmet, von dem der folgende Witz stammt. Frage: „Wie bringt man einen Oberpfälzer zum Bellen?“ Antwort: „Indem man ruft: Es gibt Freibier! Dann hört man: Wau, wau, wau?“ Wobei das laufmalerische „Au“ hier für einen sehr speziellen Vokal steht, der eher wie ein langes Oh klingt und deshalb hier so geschrieben wird.

Wem es nicht ganz klar ist, wie dieser Buchstabe ausgesprochen wird, dem sei Hubert Aiwanger empfohlen – der einzige Mensch, der es fertigbringt, eine ganze Rede auf „Tagesschau“-Länge nur mit diesen Lauten zu gestalten.

Die bayerische Mundart ist ja aus dem Fernsehen bekannt, auch wenn die Macher sie manchmal mit Österreichisch verwechseln. Das Wort „dahoam“ enthält den Laut, im letzten Jahr bundesweit bekannt geworden durch das „Finale dahoam“, was richtigerweise Finohle heißt.

Es beginnt schon kurz nach dem Start in München-Ost. Durch die Gänge der Regionalbahn schallt es: „Willkommen in der Südostbayern-Bohn auf der Fohrt nach Mühldorf über Mohrkt Schwohben, Ohmpfing“ und so weiter und so fohrt der Zug Richtung Ohsten. Klar, sonst müsste der Bahnhof ja München-Ast heißen. Heißt er aber nicht.

So hat es seine Berechtigung, dass offensichtlich bei der Südostbayern-Bahn nur Personen eingestellt werden, die ein sauberes Oh sprechen. Voraussetzung dafür ist eine Heimat in den bayerischen Regierungsbezirken Niederbayern und Oberpfalz, was man auch gemeinhin als Ostbayern bezeichnet, also jede weite, hügelige Landschaft rings um Regensburg, Landshut, Passau, von Amberg über Deggendorf bis Traunstein.

Denn Bayern ist groß (Franken nicht zu vergessen) und schön nach dem Motto: „Wohnen wo Andere Urlaub machen“, das war die Werbung, als wir ein Haus suchten – was vor allem auf den Bayerischen Wald zutrifft, die Heimat der „Wäldler“, wie man sie hier im Tiefland nennt.

Andererseits ist Bayern auch klein, zumindest geistig. Als wir vor einigen Jahren unser Obst zu einem Bekannten bringen wollten, verweigerte der die Annahme, weil „das Material“ für den Schnaps nicht aus Oberbayern sei, sondern über eine Bezirksgrenze geschafft würde. Dass da eine ist, wusssten wir zwar schon; schließlich ist ein Schild an der Straße. Aber von dem Verbot des Transports hörten wir bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal. In der Tat geht das Gesetz auf vor-napolitanische Zeit zurück, aber eine Klage dagegen sei nicht sinnvoll, meinte ein befreundeter Anwalt. Es könnte ja für rechtskräftig erklärt werden oder die Genehmigung ganz aufgehoben werden. Also gaben wir an, dass die Birnen von einem oberbayerischen Baum gefallen seien – so genau sah man ihnen das ja nicht an.

Oh, oh, Oberbayern, kann man da nur sagen.

(30. 11. 2013)

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