Archiv für den Monat Dezember 2013

Schneider und die Chinesen: nichts zu holen

„ . . . vier Jahre später erstanden Chinesen den ehemaligen Fernseherhersteller Schneider, zogen das Know-how ab und verlagerten die Produktion.“ Bevor man so etwas (Süddeutsche Zeitung von heute, Wirtschaftsteil) schreibt, möchte man den Kollegen einmal einen Realitäts-Check empfehlen: Einfach mal in ein TV-Geschäft gehen und sehen, wie viele in China hergestellte Geräte mit dem Namen Schneider dort verkauft werden – genau genommen genau null. Danach wird es schon schwieriger, einen solchen Satz zu schreiben und das eigene Vorurteil aufrechtzuhalten, den Chinesen ginge es vor allem um den „Zugang zu unseren Märkten“ (als ob wir im Besitz eines Marktes wären).
Wenn das wirklich Ziel der Schneider-Übernahme durch TCL  aus China gewesen wäre, hätte man auch eine andere Firma kaufen können. Sich den Klotz einer TV-Herstellung in Türkheim ans Bein zu binden, wäre schon damals nicht sinnvoll gewesen, denn Schneider hatte keine nenneswerten Marktanteile. Und die Computer kamen von einem Lieferanten und wurden zusammen mit Amstrad (England) entworfen. Möglicherweise stammten sie sogar aus dem weiten Reich von TCL, der allerdings den Vertrieb noch vor den TV-Geräten einstellte. Viel Know-how zu übernehmen gab es jedenfalls nicht.
Anders bei den Fernsehern, deren Herstellung und Konstruktion wirklich „Made in Germany“ waren. Schneider gehörte hier eher ins untere Marktsegment, war jedenfalls nicht „premium“, wie man heute sagen würde. Know-how in der Herstellung war aber ebenfalls nicht vorhanden, denn man baute weder die Bildröhren noch die Elektronik-Komponenten selbst. Die kamen überwiegend von Thomson, ITT, später Micronas und Philips, wo man bei Abnahme einer ausreichend großen Stückzahl ein Referenz-Design umsonst geliefert bekam. Das hatte TCL natürlich nicht nötig, denn die Firma war damals schon ein in China führender Anbieter mit eigener, gut ausgelasteter Fertigung.
Große Wellen machte dagegen damals die Entwicklung eines „Laser-TV“, der aber in Wahrheit gar kein TV war, aber dennoch den Börsenkurs in die Höhe wachsen ließ. Es handelte sich dabei eher um einen Projektor mit Laser als Lichtquellen, dessen Entwicklung die DDR-Firma Jenoptik vorangetrieben hatte. Zuständig dafür war eine kleine Abteilung in Gera, wo es zeitweilig einen funktionsfähigen Rückprojektor (also eine Art Fernseher) gab. Daran jedoch hatte TCL kein Interesse, die Technik wurde ausgelagert und später an Jenoptik beziehungsweise Rheinmetall abgegeben. Das sagenumwobene Know-how bestend allerdings gerade mal in einem Patent zur Farbraumkonversion, die den Laser TV-tauglich macht, indem die Farbumfänge reduziert und heruntergerechnet werden.
Im der Rüstungsindustrie war das Interesse auf Flugsimulatoren beschränkt, mit denen man auch in einer bewegten Kapsel ein realistisches Bild projizieren kann. Dafür waren bis dahin schwergewichtige Dreiröhren-Beamer eingesetzt worden. Mit Laser-Technologie genügt dafür ein leichtes Glasfaserkabel, das die Lichtimpulse zum Projektionskopf überträgt. Wichtigstes Bauteil aber war der Laser in den drei Grundfarben, den Osram in Regensburg entwickeln sollte. Von Know-how „zum Abziehen“ also auch hier keine Spur.
Ähnliches galt für das größte Problem, den so genannten Speckle. Um dieses Glitzern, also die Interferenz des Laserstrahls mit sich selbst, zu unterdrücken, hatte Schneider angeblich sogar eine Lösung, obwohl der Effekt schon Sony zum Aufgeben dieser Entwicklung veranlasst hatte. Wirklich bewältigt ist das Problem aber bis heute nicht.
Lichtquellen und Scanner in ausreichender Geschwindigkeit gibt es inzwischen, allerdings noch nicht in Konsumer-freundlichen Preisklassen. Die Chinesen von TCL hatten daran aber kein Interesse, denn sie waren dran, im Joint Venture mit Thomson größter TV-Hersteller der Welt zu werden – sogar ohne eigene Röhrenfertigung. Das Engagement bei Schneider war danach eher hinderlich und wurde eingestellt.
So viel zum Thema Schneider und die Chinesen. Manchmal ist es doch hilfreich, erst einmal zu recherchieren, bevor man schreibt.
(27. 12. 2013)
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Pech und Rätsel

Auch Personen, deren Handwerkszeug die deutsche Sprache ist, geraten manchmal an Sätze, die ihnen Rätsel aufgeben – obwohl es sich auch hier, anscheinend, um Deutsch handelt. Mein Favorit heißt „Start/Ziel durch äquivalenten Bahnhof ersetzt“ und steht auf diversen Fahrkarten, die man im Internet kauft. Dabei ist einigermaßen klar, was mit „Start/Ziel“ gemeint sein könnte, zum Beispiel „Eggenfelden“, was auf der Bahn-Webseite im Web immer moniert wird, weil es noch „Eggenfelden-Mitte“ und diverse Bushaltestellen gibt. Warum man aber den schönen Namen dieses Ortes durch „Eggenfelden-Bahnhof“ ersetzen muss, wird dabei nicht erklärt. Vielleicht, damit man es von „Eggenfelden-Schellenbruckplatz“ unterscheiden kann und nicht aus Versehen falsch aussteigt. Man hat’s halt nicht leicht, wenn man nur geistig Minderbemittelte als Kunden hat.

So oder ähnlich müssen die Macher des intelligentesten Betriebssystems der Welt gedacht haben, von Mac OS-X 10.5.8 zum Beispiel. Da tut sich seit einiger Zeit eine Art Blase auf, wenn man den Cursor über bestimmte Felder bewegt. Wer ein Dokument faxen will, sieht zum Beispiel über dem Text „Warten auf betriebsbereites Modem“ eine gelbe Fläche, die folgenden Text enthält: „Warten auf betriebsbereites Modem“. Was dieser Satz erklären soll, das erschließt sich bestimmt nur super-intelligenten Usern, die aber leider nicht mit der Mac-Software arbeiten. Sonst müsste diese Einblendung nicht sein.

Das erinnert mich an das Telefon, das ich in meinem früheren Leben benutzt habe, als ich noch fest angestellt, gut verdienend und super-intelligent war. Da gab es einen der vielen Knöpfe, dessen Beschriftung lautete: „Außenverbindung sperren“. Weil sich mir das in meiner Super-Intelligenz nicht erschloß, kramte ich eines Tages in den Tiefen meines ebenfalls fest angestellten Schreibtisches und stieß auf eine Bedienungsanleitung für das Gerät, die wie es selbst übrigens aus Deutschland kam.

Freundlicherweise hatte diese Anleitung ein Kapitel, das die Funktion der Tasten erklärt. Neugierig geworden schaute ich nach, was dieser Knopf mit der Aufschrift „Außenverbindung sperren“ für eine Bedeutung haben könnte – um dann belehrt zu werden, er würde die „Außenverbindung sperren“, was mich nur unwesentlich schlauer zurückließ in meiner Super-Intelligenz. Erklärungen sind halt Glückssache, und manchmal kommt auch noch das Pech dazu.

(19. 12. 2013)

Der große Fahrrad-Preis

Was ist Ihr Fahrrad-Preis? Sagen Sie nicht 298 Euro, mit einer Mark-Angabe outen Sie sich sogar als Oldtimer. Wahrscheinlich setzt es sogar schon etwas Rost an, von der Staubschicht gar nicht zu reden. Denn es geht um den „Deutschen Fahrrad-Preis“ (Details unter http://www.der-deutsche-fahrradpreis.de/ ), der in einem Jahr verliehen wird, und Preise im Wert von 5.000 Euro, für ein originelles Foto zum Thema Fahrrad. Auch wer sich an der Abstimmung beteiligt, nimmt an der Verlosung teil.

Solche Sachen stecken zwischen den unsinnigen und den „Black Friday“-Emails ( siehe Meldung vom 1. 12., https://loehneysen.wordpress.com/2013/12/01/black-friday-das-konnen-sie-sich-sparen/ ), wenn man erstmal als Video- und Foto-Berichterstatter registriert ist. Es sei die These gewagt, dass der Versand dann nicht geschähe, wenn pro Email ein Cent verlangt wird. Aber was soll’s, ich würde das Geld ja ohnehin nicht bekommen.

Dafür entschädigt diese Post mit dem Klassiker zur Einleitung: „Es ist wieder soweit“, weil wir alle ja schon sehnsüchtig drauf gewartet haben. Schließlich heißt es: „Bitte antworten Sie nicht auf diese Email.“ Ich bin weit entfernt davon.

Hey du, stups mal wieder

Es ist ein „schwaches Verb“ aus der Umgangssprache, sagt der Online-Duden, die Häufigkeit liege leicht über Null, und es bedeutet ungefähr das Gleiche wie „schubsen“. Jedenfalls muss man sich erst einmal bei Facebook anmelden, um mit dem Verb stupsen vertraut zu werden. Es gehörte bisher nicht zu meinem aktiven Wortschatz, aber jeder Facebook-User kennt die Variante „anstupsen“.

Das ist die Methode, einem „Freund“ auf sich aufmerksam zu machen, auch wenn es wie etwas Unanständiges klingt (was Facebook natürlich automatisch entfernen würde). Also sollte man eine Geschäftspartnerin besser nicht „anstupsen“, auch beim Chef oder einem seriösen Gesprächspartner wäre ich zurückhaltend. Man stupst jemand an, dem man auch einen Knuff in die Seite gibt, jemand den man mit „du“ anspricht.

Ohnehin täte Facebook eine kleine Überarbeitung gut. Wer einmal dabei ist, dessen „Beziehungsstatus“ bleibt für immer auf „ledig“, egal ob er das mitteilen möchte. Wer ihn dagegen auf „verheiratet“ ändert, kann sich an diesem Tag vor lauter Glückwünschen kaum retten. Auch die Schule lässt sich nachträglich kaum ändern, es wird statt dessen ein Name eingetragen, von dem man noch nie gehört hat. Ärgerlicherweise ist das Bildungswesen ganz auf die US-Struktur zugeschnitten, Grundschule zum Beispiel kommt hier nicht vor. Ein Gymnasium gibt es genauso wenig wie das Abitur.

Es wäre halt gut, wenn sich ein Deutscher oder eine Deutsche mal an die Texte setzen würde. Mit oder ohne Stupsnase.

(13. 12. 2013)

BSI: von vorne oder von hinten

Noch ein Übersetzungsproblem, das zum sorgfältigen Umgang mit der deutschen Sprache ermahnt, wenn es schon deutsch sein soll. Viele Kollegen und auch Hersteller verwenden oft den Begriff „hintergrundbeleuchteter Bildsensor“. Das ist ein, um es milde auszudrücken, irreführender Ausdruck – es wäre noch nicht einmal unsinnig, ihn unsinnig zu nennen.

Denn diese mehr oder wörtliche Übertragung des englischen „Backside Illuminated Sensor“, meistens als BSI abgekürzt (gelegentlich auch BIS), enthält zwei Geburtsfehler, die aus der Zeit stammen, als Sensor-Hersteller Omnivision dieses Verfahren im Jahr 2008 erstmals vorstellte. Die deutsche Version macht es dabei noch schlimmer. Denn natürlich ist der Sensor nicht „beleuchtet“, etwa wie ein LCD-Fernseher, der hinter der Flüssigkristallschicht ein Backlight aus Leuchtstoffröhren oder LEDs braucht.

Ein Kamerasensor dagegen fängt bekanntlich das Umgebungslicht ein, genau wie es früher der chemische Film getan hat. Eine Beleuchtung gibt es da nicht. Es wurde aus guten Gründen auch nicht davon gesprochen, das Zelluloid in einem Fotoapparat oder in einer Filmkamera sei „beleuchtet“. Der richtige Ausdruck ist vielmehr „belichtet“.

So reden immerhin die deutsche Wikipedia, Apple und auch Sony von Hintergrund-Belichtung.

Der zweite Fehler ist freilich der andere Bestandteil: Denn das Licht fällt natürlich nicht von hinten auf den Sensor. Vorne ist bei einer Kamera immer noch die Optik, und die vordere Seite des Sensors ist auch bei BSI-Technik die lichtempfindliche. Nur aus Sicht eines Chip-Herstellers mag man von Rückseite sprechen, weil die Fotodioden auf der anderen Seite der Schaltung angebracht sind. Normalerweise sind vorne die Leiterbahnen. Das Licht muss also nicht durch die elektronischen Elemente hindurch, die lichtempfindlichen Bereiche sind größer, der Sensor fängt mehr Licht ein und rauscht weniger.

Korrekt müsste man also von einem Sensor mit Hintergrund-Schaltung sprechen. Aber wer will sich schon gegen den Sprachgebrauch einer ganzen Branche stellen?

(11. 12. 2013, auszugsweise zuerst in Foto Video digital erschienen)

3D: Es kommt auf den Winkel an

Die Frage kam off-topic, war aber nicht ganz zufällig: Ob die Technik irgendwann dreidimensionale Personen abbilden könne. Das fragte Jack Buser, damals Chief Evangelist bei den Sound-Spezialisten von Dolby. Er meinte nicht Fernsehen in 3D, das gibt es heute schon und war damals absehbar. Schließlich hatte es bereits in den 50-er Jahren stereoskopische Filme gegeben, bei denen zwei Kameras unterschiedliche Bilder für rechts und links aufnehmen, und der Zuschauer eine Brille tragen muss, die sie wieder trennt. Er wollte meine Einschätzung hören, was virtuelle Realität angeht, also Princess Leia Organa („Star Wars“) in echt. CNN hatte das schonmal ausprobiert, allerdings mit einer Vielzahl an Kameras, die alle ferngesteuert waren.

Dafür brauchte man einen Schwung von Steuerleitungen hinwärts, eine TV-Übertragung mit dem Ergebnis rückwärts. Wollte man aber eine wirklich dreidimensionale Abbildung verwirklichen, wird es komplizierter: Theoretisch könnte die Steuerung auch die Positionsdaten des Betrachters übermitteln, doch wenn der sich schnell bewegt, wird es kritisch. Und man hätte nur die Perspektive von einer Person. Wenn man die Informationen über wirklich dreidimensionale Objekte oder Personen senden oder speichern wollte, bräuchte man die Daten von Kameras in jeweils einem Winkelgrad zur Seite und nach oben – es soll ja der 3D-Eindruck erhalten bleiben, wenn man aufsteht oder in die Hocke geht. Zudem müsste auch vom Hintergrund eine Aufnahme gemacht werden, denn man schaut ja um einen Gegenstand herum.

Wenn man sich ein Ereignis wie ein Formel-1-Rennen mit zahlreichen, auch mobilen Kameras vorstellt, wird die Problematik klar. Es stellt sich wie oft die Frage, ob die Intelligenz eher auf der Aufnahmeseite und bei der Übertragung verwendet wird, oder ob sie vielleicht besser im Empfangsgerät eingebaut ist. Denn theoretisch wäre es denkbar, dass zu einem Objekt nur die Positionsdaten im dreidimensionalen Raum erfasst und gesendet werden, also zum Beispiel „Alonso fährt mit Tempo XY in Kurve XY“. Das hätte man sich in etwa so vorzustellen wie ein Videospiel, bei dem die Informationen über die Objekte auch erst geladen und dann verändert werden. Der Betrachter kann dann jeden beliebigen Standpunkt einnehmen, auf der Rennstrecke genauso wie als Teilnehmer eines Fußball-Matches.

Aber: Wie muss das Fahrzeug aussehen, wenn Alonso einen Unfall hat? Wie sieht das Gesicht eines Mitspielers aus, der gerade den Ball an eine empfindliche Körperstelle bekommt? In einem solchen, eher unwahrscheinlichen Fall wird die Live-Übertagung doch aufs echte Bild wechseln müssen, die freie Wahl des Blickwinkels und der Perspektive entfällt dann. Aber es wäre machbar, wenn auch in der Optik eines Video-Games, teuren Empfangsgeräten und stattlichen Kosten auf Senderseite sowie mit hoher Verzögerung. Selbst ein Spielfilm wäre vorstellbar.

Dass Jack Buser danach fragte und nicht nach Audio-Technologien, mag Zufall gewesen sein. Aber: Wenig später kam die Information, dass er von Dolby zu Sony Computer Entertainmenr, der Playstation-Sparte, wechselt.

(10. 12. 2013)

Geteiltes oder doppeltes Leid

Agenturen haben ihre eigene Ausdrucksform, die man häufig schon in der ersten Zeile einer Pressemitteilung erkennt. Möglicherweise redet man ja an den Konferenztischen in dieser Branche so, aber als Normal-Leser stutzt man doch immer wieder. Da wird zum Beispiel gelauncht, was das Zeug hält, geteasert oder gebrieft, so dass man sich unwillkürlich fragt: Habt Ihr keine deutschen Worte? In anderen Fällen allerdings würde man sich wünschen, dass ein Ausdruck lieber nicht übersetzt würde, speziell wenn es um das Thema Sharing geht.

Da lesen wir zum Beispiel, man könne mit der gerade gelaunchten App XY jetzt „Bilder teilen“. Im englischen Original der Pressemitteilung hieß es „photo sharing“, doch wie übersetzt man das korrekt? Das deutsche Wort „teilen“ steht schließlich zuallererst für zweiteilen, weniger für mitteilen oder zeigen.

Doch die Doppeldeutigkeit ist eindeutig, wie schon das Sprichwort zeigt: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Was nun wiederum klar beweist, dass analoge Bilder auf Papier für Leid stehen, denn wenn man ein solches teilt, hat man zwei halbe. Wenn man ein digitales Bild dagegen teilt (die Telekom ist da führend, siehe ihren aktuellen Spot: http://www.telekom-besondere-geschichten.de/#bob-und-linda), fertigt man eine Kopie und hat dann zweimal das Vergnügen – wie bei der Freude.

(8. 12. 2013, zuerst in Foto Video digital erschienen)

Der, die, das TV

Nachdem ein Text erstmal veröffentlicht wurde, findet jeder Journalist sofort alle Tippfehler – seltener davor. Leidgeprüft, wie die Kollegen nunmal sind, war die Schadenfreude daher umso größer, als kürzlich eine Firma zum „Lauchevent unserer neuen TVs“ einlud. Ein fehlender Buchstabe hatte aus dem englischen „Launch“ ein deutsches Gemüse gemacht. Der eine oder andere soll sogar nachgefragt haben, ob er Knoblauch oder Schnittlauch beisteuern könne.

Neben dem Wort für die Präsentation neuer Geräte hat sich hier freilich ein Anglizismus eingeschlichen, der gelegentlich für Verwirrung sorgt: Der Ausdruck „TV“ für den Apparat im Wohnzimmer. Im Deutschen stehen diese beiden Buchstaben eigentlich nur für das Fernsehen an sich, während vor allem die US-Amerikaner damit auch das Gerät selbst bezeichnen; und neuerdings auch als „HDTV“, wenn es sich einen hochauflösenden Schirm handelt.

Was eine weitere Frage aufwirft: Heißt es der oder das TV? In einem Großverlag bestanden die hauseigenen Korrektoren (gibt es wirklich noch) auf die sächliche Form, meinten aber das Fernsehen an sich, während die Redakteure „mein neuer Tiewieh“ sagen, also von einem Gegenstand sprechen. In einem anderen Haus steht sogar „der Fernseher“ auf dem Index, weil es sich dabei, so die Meinung der Chefredaktion, bei diesem Wort um die Person vor dem Schirm handele. „Der TV“ dagegen ist erlaubt.

Ebenfalls tückisch ist es, für einen Produktstart das englische Verb „to launch“ zu verwenden. Das Wort passt nämlich schlecht in einen deutschen Text, trotzdem wird hemmungslos „gelauncht“ oder so ähnlich. Heikel an derartigen Worten ist die Einstellung des Textverarbeitungsprogramms, das meistens auf Deutsch fixiert ist, genauso oft auf automatische Korrektur. Der Thesaurus kennt natürlich „launchen“ nicht, sehr wohl aber „Lauch“ – und ersetzt dann das eine durch das andere.

Wie wäre es, wenn eine solche Software mal den tatsächlich verwendeten Wortschatz deutiger Schreiber berücksichtigt? Da könnte man doch etwas „launchen“.

(7. 12. 2013, in Auszügen erstmals erschienen in Foto Video digital)

4k: Pixel im Sonderangebot

Das ist schon verrückt: Kaum hat man mit UHD (4k-Auflösung) einen Hoffnungsträger, da wird er schon verrissen. Nicht von der Kritik (siehe https://loehneysen.wordpress.com/2013/11/27/46/), sondern von den lieben Herrschaften der anderen Marken. Vorbei die Zeiten, also solche Schirme sündhaft teuer waren, jetzt sind sie sündhaft billig. 550 Euro werden für 39 Zoll verlangt, auch 50 Zoll für 1.400 Euro sind machbar. Das große Geld verdient man so jedenfalls nicht.

Es stellt sich die Frage, warum ein UHD-Schirm eigentlich mehr kostet als einer mit geringerer Auflösung. Dass manchen Kunden offensichtlich bereit sind, für 4k mehr zu zahlen als für einen Schirm mit weniger Pixeln, ist kein Argument; und dass mehr Pixel ihn automatisch besser machen auch nicht, da müsste man erstmal nahe genug sitzen und die hochauflösenden Quellen haben. Ansonsten ist jeder Hersteller frei, den Preis selbst zu kalkulieren.

Da fällt zuerst auf, dass sich hier viele nicht etablierte Marken tummeln, etwa Hisense, Haier oder Blaupunkt, auch Philips und Toshiba sind dabei. Gemeinsam ist ihnen, dass sie allesamt keine LCD-TV-Panels herstellen. Dafür haben sie Zulieferer, etwa AUO, Innolux (früher CMI, noch früher CMO), Samsung Display, LG, auch chinesische Firmen.

Sony gehört ebenfalls dazu. Genau wie die Kollegen von Philips hat man mittlerweile das teure Engagement in der LCD-Fertigung beendet und kauft lieber passend zu.

Was aber ist der Aufpreis für ein UHD-Panel? Richtig ist, dass man die vierfache Anzahl an Bildpunkten erwirbt, aber es wäre ein Irrtum, dafür die Vierfache des Preises anzunehmen. Denn die Schirme werden in einem Durchgang gefertigt, unabhängig von der Anzahl der Schaltungen. Nur dass bei einem UHD-Schirm die Elemente gerade mal ein Viertel der Größe eines Full-HD-Displays haben – und hier gilt das Satz von Bruce Berkoff, damals LG.Philips-LCD, dass ein hochauflösender LCD „praktisch ohne Mehrkosten zu fertigen“ sei. Bei Plasma wäre es „ein Bruchteil davon“, so sein Scherz im nächsten Satz. Für OLED-Technik gilt das Gleiche wie für LCD.

In der Tat ist es ja fast egal, ob 1.080 oder 2.160 Transistoren pro Reihe erzeugt werden – der Materialverbrauch und die notwendige Zeit bleiben nahezu gleich. Auch die vertikalen Streifen sind allenfalls etwas schmäler als bisher, wobei sich das auch in engen Grenzen hält: Ein 55-Zöller in 4k hat in etwa die Pixelgröße eines Full-HD-Schirms mit 27 Zoll.

Erleichternd, was den Preis angeht, fällt der Teilungsvorgang der Glasscheiben weg, es ist auch nur ein Kontrollvorgang nötig – auch wenn die Pixel etwas zahlreicher sind und deswegen eher zum Versagen tendieren. Dafür wird dann daraus nur ein Endgerät, mit nur einem Gehäuse, einer Hintergrundbeleuchtung, einem Anschussfeld und einer Elektronik, die aber bei UHD leistungsfähiger sein muss als bei Full-HD. Die entsprechenden Bauteile sind im Angebot einiger Zulieferer, wenn auch aufgrund der geringeren Stückzahlen etwas teurer als bei Full-HD.

Jedenfalls ist kein Wunder im Spiel, wenn ein UHD-Fernseher nur wenig mehr kostet als ein normaler. Vielmehr ist es so, dass sich die Geräte dem Niveau einer Marke anpassen. Nur Gründe für einen Ausreißer nach oben gibt es nicht – egal, ob das Panel selbst gebaut wird (Samsung, LG, Panasonic) oder nicht.

Aber natürlich will sich kein Hersteller einen Flop erlauben, sind die UHD-Schirme doch in der Modellpalette ziemlich weit oben angesiedelt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie auch wirklich gut sind. Viele Pixel alleine machen noch keine perfekten Farben, helfen nicht beim Kontrast oder bei der Bewegungsdarstellung. Also kann ein UHD-Modell auch ziemlich schlecht sein. Nur teuer muss es nicht sein.

(6. 12. 2013)

Black Friday: Das können Sie sich sparen

Ich will mein Email-Postfach zurück! Derzeit blockieren jede Menge Angebote andere Mitteilungen, auch und vor allem die wichtigen. Dabei ist nicht alles Spam. Vielmehr hat die Elektronik-Branche den Tag vor Thanksgiving entdeckt, um endlich in die Schwarzen Zahlen zu kommen. Man nennt diese Tag Black Friday, und da wirft jeder Händler oder Hersteller die große Maschine an, um seine Offerten bekannt zu machen. Was gibt es da einfacheres und billigeres als Email, vor allem, wenn der Besitzer der Adresse sich als Interessent zu erkennen gibt? Genau das tut er aber, sobald er sich in ein Formular auf der Webseite einträgt, oder seine Postadresse anderweitig hergibt.

Und das tut man doch, wenn man bei Neuheiten auf dem Laufenden bleiben will.

Aber jetzt ist Schluss. Offenbar wird mit den Adressen ein schwunghafter Handel getrieben, anders ist ihre weite Verbreitung nicht zu erklären. Formulare werden nicht mehr ausgefüllt. Facebook, LinkedIn und andere Portale sind mit der Adresse freizügig genug.

So interessant eine Website auch sein mag, so attraktiv das Angebot. Das werde ich mir zukünftig sparen, denn Preisermäßigungen von 64 Prozent oder mehr gibt es auch bei deutschen Sonderangeboten. Originellerweise heißt die Aktion auch hierzulande Black Friday oder Cyber Monday (wenn es erst am Montag danach eintrifft).

Vielleicht bekomme ich auf diese Weise mein Postfach zurück.

(1. 12. 2013)