3D: Es kommt auf den Winkel an

Die Frage kam off-topic, war aber nicht ganz zufällig: Ob die Technik irgendwann dreidimensionale Personen abbilden könne. Das fragte Jack Buser, damals Chief Evangelist bei den Sound-Spezialisten von Dolby. Er meinte nicht Fernsehen in 3D, das gibt es heute schon und war damals absehbar. Schließlich hatte es bereits in den 50-er Jahren stereoskopische Filme gegeben, bei denen zwei Kameras unterschiedliche Bilder für rechts und links aufnehmen, und der Zuschauer eine Brille tragen muss, die sie wieder trennt. Er wollte meine Einschätzung hören, was virtuelle Realität angeht, also Princess Leia Organa („Star Wars“) in echt. CNN hatte das schonmal ausprobiert, allerdings mit einer Vielzahl an Kameras, die alle ferngesteuert waren.

Dafür brauchte man einen Schwung von Steuerleitungen hinwärts, eine TV-Übertragung mit dem Ergebnis rückwärts. Wollte man aber eine wirklich dreidimensionale Abbildung verwirklichen, wird es komplizierter: Theoretisch könnte die Steuerung auch die Positionsdaten des Betrachters übermitteln, doch wenn der sich schnell bewegt, wird es kritisch. Und man hätte nur die Perspektive von einer Person. Wenn man die Informationen über wirklich dreidimensionale Objekte oder Personen senden oder speichern wollte, bräuchte man die Daten von Kameras in jeweils einem Winkelgrad zur Seite und nach oben – es soll ja der 3D-Eindruck erhalten bleiben, wenn man aufsteht oder in die Hocke geht. Zudem müsste auch vom Hintergrund eine Aufnahme gemacht werden, denn man schaut ja um einen Gegenstand herum.

Wenn man sich ein Ereignis wie ein Formel-1-Rennen mit zahlreichen, auch mobilen Kameras vorstellt, wird die Problematik klar. Es stellt sich wie oft die Frage, ob die Intelligenz eher auf der Aufnahmeseite und bei der Übertragung verwendet wird, oder ob sie vielleicht besser im Empfangsgerät eingebaut ist. Denn theoretisch wäre es denkbar, dass zu einem Objekt nur die Positionsdaten im dreidimensionalen Raum erfasst und gesendet werden, also zum Beispiel „Alonso fährt mit Tempo XY in Kurve XY“. Das hätte man sich in etwa so vorzustellen wie ein Videospiel, bei dem die Informationen über die Objekte auch erst geladen und dann verändert werden. Der Betrachter kann dann jeden beliebigen Standpunkt einnehmen, auf der Rennstrecke genauso wie als Teilnehmer eines Fußball-Matches.

Aber: Wie muss das Fahrzeug aussehen, wenn Alonso einen Unfall hat? Wie sieht das Gesicht eines Mitspielers aus, der gerade den Ball an eine empfindliche Körperstelle bekommt? In einem solchen, eher unwahrscheinlichen Fall wird die Live-Übertagung doch aufs echte Bild wechseln müssen, die freie Wahl des Blickwinkels und der Perspektive entfällt dann. Aber es wäre machbar, wenn auch in der Optik eines Video-Games, teuren Empfangsgeräten und stattlichen Kosten auf Senderseite sowie mit hoher Verzögerung. Selbst ein Spielfilm wäre vorstellbar.

Dass Jack Buser danach fragte und nicht nach Audio-Technologien, mag Zufall gewesen sein. Aber: Wenig später kam die Information, dass er von Dolby zu Sony Computer Entertainmenr, der Playstation-Sparte, wechselt.

(10. 12. 2013)

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