Archiv für den Monat Januar 2014

Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen.

Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er/sie die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu  holen)  hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

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Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen. Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu holen) hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

Gebogener Schirm: krumme Sache

Es ist der letzte Schrei, aber wahrscheinlich nicht unbedingt das ganz große Wunsch der Konsumenten, zumindest hat man in den letzten Jahren sehr wenig Klagen über flache TV-Geräte gehört: krumme oder gebogene Fernseher, die man neuerdings sogar selbst biegen kann. Für dem Zuschauer ist das ganz nett und so begründen die Hersteller diese Eigenschaft auch mit dem Vorteil einer freien Sicht auf das Bild, egal an welchem Sitzplatz.

Was für einen Grund kann es geben, einen Fernseher gebogen zu gestalten? Samsung und LG sagen, dass damit ein intensiveres TV-Erlebnis möglich würde, weil sich der Zuschauer stärker einbezogen fühlen würde. Man kennt das so ähnlich von Kuppelkinos oder anderen gebogenen Riesenleinwänden. Auf der CES jedenfalls hatten beide koreanische Firmen 55 Zoll große OLED-Schirme mitgebracht, die sich zum Betrachter hin biegen (siehe auch http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/ces-fernseher-die-tv-industrie-macht-krumme-dinger-a-942359.html).

Mindestens genauso wichtig wie die Zuschauer sind Samsung und LG allerdings die Zurschaustellung ihrer Technologien. Denn solche Krümmungen sind vor allem mit OLED möglich, LCDs und erst recht Plasma lassen sich so kaum bauen. Neuerdings kann der Benutzer den Schirm auch selbst biegen.

Allerdings darf man den Sinn der Anstregung bezweifeln. Die Krümmung bringt eine leichte Verbesserung für eine Person genau in der Mitte vor dem Schirm – wer etwas seitlich sitzt (siehe Bild oben), sieht dagegen Verzerrungen, weil die geometrischen Abstände nicht mehr stimmen.

(9. 1. 2013, zuerst erschienen in audiovision)

OLED: der ist immer scharf

Heute war eine Mitteilung im elektronischen Postfach, die hielt das Große Lob auf die OLED-Technologie: „ . . . sorgt für ein atemberaubendes Fernseherlebnis. Sie bewirkt, dass keine erkennbare Unschärfe auf dem Bildschirm zu sehen ist, so dass die Bilder selbst bei schnellen Action-Bildern gestochen scharf bleiben.“ Ob dadurch eine Naturdoku „atemberaubender“ aussieht als auf anderen Displays, muss eher offen bleiben. Wahrscheinlich so „unvergleichbar“ wie das Nuckeln von Krombacher aus der Flasche. Werbesprache halt.

Nachvollziehbar ist aber, dass OLED in der Darstellung allen anderen Verfahren überlegen ist. Es reagiert schneller als LCDs, die deswegen eine Bewegungsunschärfe aufweisen, wenn sie nicht mit 200 Hertz oder mehr getaktet werden. So, wie eine Kamera mit einer 100stel-Sekunde ein unscharfes Bild produziert, wird die Bewegung auch bei dieser Wiederholrate unscharf wirken. Richtig ist, dass OLED einen besseren Kontrast realisiert als jedes andere Verfahren. Stellt man auf dem Schirm eine Seite 100 Prozent Schwarz und die andere maximales Weiß dar, werden beide Segmente optimal realisiert. Denn es scheint nichts von hinten durch, wie das bei LCD passieren kann, das Umgebungslicht wird – anders als bei Plasma – stark geschluckt, so dass der Kontrast auch in hellen Räumen besser wirkt als auf anderen Bildschirmen. Damit ist die Kante zwischen Schwarz und Weiß sehr scharf.

Dass man darauf keine “erkennbare Unschärfe” mehr sehen kann, ist freilich blanker Unsinn. Wenn der Kameramann nicht oder falsch focussiert hat, ist die Darstellung auf einem OLED so unscharf wie auf jedem anderen Display. Sicher, OLED hat auch Nachteile, etwa die Veränderung der Farben im Laufe der Jahre, auch die schräge Betrachtung ist offenbar nicht perfekt. Aber mit keinem anderen Verfahren lassen sich biegsame, durchsichtige und extrem dünne Schirme bauen.

(7. 1. 2013)

Smartwatch: jede Menge Uhrlaub

„Können Sie mir mal zeigen“, wird demnächst die Frage lauten, „wie es bei Bayern gegen Dortmund steht?“ Das wird man so selbstverständlich fragen wie heute nach der Uhrzeit. Denn die Stelle der Armbanduhr wird, wenn man Branchenexperten Glauben schenken mag, demnächst das TV-Gerät besetzen. Aus dem Smart-TV wird, so die Vorhersage, die Smart-Watch, die ihrerseits wiederum das Smartphone ablöst. Hauptsache smart.

Ob man demnächst also mit seinem Handgelenk spricht oder seinen Facebook-Status updated, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls soll das Smartphone ebenfalls dem Aus entgegensehen, denn seine Funktion übernimmt ebenfalls in die Uhr.

Technisch ist das möglich, keine Frage. Viel mehr als ein Prozessor wird dafür nicht benötigt, ein Funkbaustein, ein Speicher und natürlich eine Stromversorgung. Dazu kommt die Bedienung, die man par Mini-Tasten oder Touchscreen machen kann, doch damit fangen die Probleme gerade erst an. Kann ein Bildschirm von gerade mal zwei Zentimetern überhaupt so hochauflösend sein, dass man die Schrift gut liest? Was ist mit eventuellen Sendungen in Ultra-HD (siehe auch 4k: Pixel im Sonderangebot)? Das Problem ist nicht neu, denn auch schon das Smartphone hat eine eher klein geratene Darstellung. Wird man also eine Lupe mitliefern oder gegebenenfalls das Bild irgendwohin projizieren, wo es gut lesbar ist? Oder den Schirm ausrollen, so dass er sich auf ein Mehrfaches seiner Größe erstreckt?

Die Bedienung könnte man ja vielleicht noch hinkriegen, indem man einen möglichst spitzen Stift beilegt, der die kleinen Tasten erwischt, oder durch Sprachsteuerung. Doch ein Display von einem Meter oder gar 100, 110 Zoll passt nun wirklich nicht an den Arm, auch wenn es quasi nichts wiegt. Der Trend geht zu immer größeren Bildschirmen, am besten in den Abmessungen einer Kinoleinwand oder einer kompletten Wohnzimmerwand.

Ein Fernseher am Arm mag in einem James-Bond-Film ein netter Gag sein, in der Praxis ist er es nicht.

(6. 1. 2014)