Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen. Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu holen) hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

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