Archiv der Kategorie: Allgemein

Satz-Zeichen, die dritte: Anführung, Unterführung

Hier ist noch so ein Satzzeichen, mit dem manche Autoren so ihre liebe Not und Mühe haben: Das Anführungszeichen, auf das meistens auch ein Schlusszeichen folgt. Gemeinhin gilt es als Ausweis guter journalistischer Arbeit, denn Artikel sollen möglichst viele wörtliche Zitate dritter Personen enthalten. Das zeigt immerhin, dass man zumindest mit ihnen gesprochen oder sie zumindest gehört hat.

Außer bei Zitaten verwenden manche Schreiber das Anführungs- und Schlusszeichen auch gern als Hilfmittel, einen bestimmten Sachverhalt hervorzuheben oder eine Redeweise zu betonen. Das findet man unter anderem beim Metzger, ohne nun Namen nennen zu wollen. Denn wenn hier auf der Tafel oder am Schaufenster steht: Heute: “Kalbfleisch”, dann in der Regel deswegen, weil es sich um so genanntes Kalbfleisch handelt, auch wenn man es so nennt.

Gleiches gilt, wenn hier zum Beispiel  so genannte Bratwürste angepriesen werden. Auch sie gibt es in echt, obwohl der Metzgermeister sie so nennt. Es ändert aber nichts an der Aussage, wenn man auf die Anführungszeichen verzichtet.

Rätselhaft wird ihr Gebrauch, wenn man anlässlich einer Veranstaltung von einem Trupp liest, der “unter’m Bierhimmel” landet (alle Zitate Wochenendbeilage der PNP oder www.pnp.de). Vielleicht war das entsprechende Zelt mir oder ohne Apostroph so beschriftet, vielleicht hat es den Autor auch an die Sendung “Unter unserem Himmel” im Bayerischen Fernsehen erinnert, wo die Satzzeichen berechtigt sind, weil es sich dabei um einen Namen handelt – der aber anders als “Helmut” in Anführungszeichen gesetzt werden darf, weil man ihn vom Text “Untern unserem Himmel regnet es” unterscheiden will.

Jedenfalls erinnert es mich an den Kollegen, der zu sagen pflegte: “Und führet uns nicht in Versuchung, sondern suchet uns in der Unterführung.”

Schlusszeichen. Über Auslassungzeichen wird noch zu reden sein, unter Auslassung des Ausdrucks vom so genannten Deppen-Apostroph.

(13.4.2013)

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Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen.

Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er/sie die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu  holen)  hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen. Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu holen) hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

Pech und Rätsel

Auch Personen, deren Handwerkszeug die deutsche Sprache ist, geraten manchmal an Sätze, die ihnen Rätsel aufgeben – obwohl es sich auch hier, anscheinend, um Deutsch handelt. Mein Favorit heißt „Start/Ziel durch äquivalenten Bahnhof ersetzt“ und steht auf diversen Fahrkarten, die man im Internet kauft. Dabei ist einigermaßen klar, was mit „Start/Ziel“ gemeint sein könnte, zum Beispiel „Eggenfelden“, was auf der Bahn-Webseite im Web immer moniert wird, weil es noch „Eggenfelden-Mitte“ und diverse Bushaltestellen gibt. Warum man aber den schönen Namen dieses Ortes durch „Eggenfelden-Bahnhof“ ersetzen muss, wird dabei nicht erklärt. Vielleicht, damit man es von „Eggenfelden-Schellenbruckplatz“ unterscheiden kann und nicht aus Versehen falsch aussteigt. Man hat’s halt nicht leicht, wenn man nur geistig Minderbemittelte als Kunden hat.

So oder ähnlich müssen die Macher des intelligentesten Betriebssystems der Welt gedacht haben, von Mac OS-X 10.5.8 zum Beispiel. Da tut sich seit einiger Zeit eine Art Blase auf, wenn man den Cursor über bestimmte Felder bewegt. Wer ein Dokument faxen will, sieht zum Beispiel über dem Text „Warten auf betriebsbereites Modem“ eine gelbe Fläche, die folgenden Text enthält: „Warten auf betriebsbereites Modem“. Was dieser Satz erklären soll, das erschließt sich bestimmt nur super-intelligenten Usern, die aber leider nicht mit der Mac-Software arbeiten. Sonst müsste diese Einblendung nicht sein.

Das erinnert mich an das Telefon, das ich in meinem früheren Leben benutzt habe, als ich noch fest angestellt, gut verdienend und super-intelligent war. Da gab es einen der vielen Knöpfe, dessen Beschriftung lautete: „Außenverbindung sperren“. Weil sich mir das in meiner Super-Intelligenz nicht erschloß, kramte ich eines Tages in den Tiefen meines ebenfalls fest angestellten Schreibtisches und stieß auf eine Bedienungsanleitung für das Gerät, die wie es selbst übrigens aus Deutschland kam.

Freundlicherweise hatte diese Anleitung ein Kapitel, das die Funktion der Tasten erklärt. Neugierig geworden schaute ich nach, was dieser Knopf mit der Aufschrift „Außenverbindung sperren“ für eine Bedeutung haben könnte – um dann belehrt zu werden, er würde die „Außenverbindung sperren“, was mich nur unwesentlich schlauer zurückließ in meiner Super-Intelligenz. Erklärungen sind halt Glückssache, und manchmal kommt auch noch das Pech dazu.

(19. 12. 2013)

Der große Fahrrad-Preis

Was ist Ihr Fahrrad-Preis? Sagen Sie nicht 298 Euro, mit einer Mark-Angabe outen Sie sich sogar als Oldtimer. Wahrscheinlich setzt es sogar schon etwas Rost an, von der Staubschicht gar nicht zu reden. Denn es geht um den „Deutschen Fahrrad-Preis“ (Details unter http://www.der-deutsche-fahrradpreis.de/ ), der in einem Jahr verliehen wird, und Preise im Wert von 5.000 Euro, für ein originelles Foto zum Thema Fahrrad. Auch wer sich an der Abstimmung beteiligt, nimmt an der Verlosung teil.

Solche Sachen stecken zwischen den unsinnigen und den „Black Friday“-Emails ( siehe Meldung vom 1. 12., https://loehneysen.wordpress.com/2013/12/01/black-friday-das-konnen-sie-sich-sparen/ ), wenn man erstmal als Video- und Foto-Berichterstatter registriert ist. Es sei die These gewagt, dass der Versand dann nicht geschähe, wenn pro Email ein Cent verlangt wird. Aber was soll’s, ich würde das Geld ja ohnehin nicht bekommen.

Dafür entschädigt diese Post mit dem Klassiker zur Einleitung: „Es ist wieder soweit“, weil wir alle ja schon sehnsüchtig drauf gewartet haben. Schließlich heißt es: „Bitte antworten Sie nicht auf diese Email.“ Ich bin weit entfernt davon.

Hey du, stups mal wieder

Es ist ein „schwaches Verb“ aus der Umgangssprache, sagt der Online-Duden, die Häufigkeit liege leicht über Null, und es bedeutet ungefähr das Gleiche wie „schubsen“. Jedenfalls muss man sich erst einmal bei Facebook anmelden, um mit dem Verb stupsen vertraut zu werden. Es gehörte bisher nicht zu meinem aktiven Wortschatz, aber jeder Facebook-User kennt die Variante „anstupsen“.

Das ist die Methode, einem „Freund“ auf sich aufmerksam zu machen, auch wenn es wie etwas Unanständiges klingt (was Facebook natürlich automatisch entfernen würde). Also sollte man eine Geschäftspartnerin besser nicht „anstupsen“, auch beim Chef oder einem seriösen Gesprächspartner wäre ich zurückhaltend. Man stupst jemand an, dem man auch einen Knuff in die Seite gibt, jemand den man mit „du“ anspricht.

Ohnehin täte Facebook eine kleine Überarbeitung gut. Wer einmal dabei ist, dessen „Beziehungsstatus“ bleibt für immer auf „ledig“, egal ob er das mitteilen möchte. Wer ihn dagegen auf „verheiratet“ ändert, kann sich an diesem Tag vor lauter Glückwünschen kaum retten. Auch die Schule lässt sich nachträglich kaum ändern, es wird statt dessen ein Name eingetragen, von dem man noch nie gehört hat. Ärgerlicherweise ist das Bildungswesen ganz auf die US-Struktur zugeschnitten, Grundschule zum Beispiel kommt hier nicht vor. Ein Gymnasium gibt es genauso wenig wie das Abitur.

Es wäre halt gut, wenn sich ein Deutscher oder eine Deutsche mal an die Texte setzen würde. Mit oder ohne Stupsnase.

(13. 12. 2013)

Geteiltes oder doppeltes Leid

Agenturen haben ihre eigene Ausdrucksform, die man häufig schon in der ersten Zeile einer Pressemitteilung erkennt. Möglicherweise redet man ja an den Konferenztischen in dieser Branche so, aber als Normal-Leser stutzt man doch immer wieder. Da wird zum Beispiel gelauncht, was das Zeug hält, geteasert oder gebrieft, so dass man sich unwillkürlich fragt: Habt Ihr keine deutschen Worte? In anderen Fällen allerdings würde man sich wünschen, dass ein Ausdruck lieber nicht übersetzt würde, speziell wenn es um das Thema Sharing geht.

Da lesen wir zum Beispiel, man könne mit der gerade gelaunchten App XY jetzt „Bilder teilen“. Im englischen Original der Pressemitteilung hieß es „photo sharing“, doch wie übersetzt man das korrekt? Das deutsche Wort „teilen“ steht schließlich zuallererst für zweiteilen, weniger für mitteilen oder zeigen.

Doch die Doppeldeutigkeit ist eindeutig, wie schon das Sprichwort zeigt: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Was nun wiederum klar beweist, dass analoge Bilder auf Papier für Leid stehen, denn wenn man ein solches teilt, hat man zwei halbe. Wenn man ein digitales Bild dagegen teilt (die Telekom ist da führend, siehe ihren aktuellen Spot: http://www.telekom-besondere-geschichten.de/#bob-und-linda), fertigt man eine Kopie und hat dann zweimal das Vergnügen – wie bei der Freude.

(8. 12. 2013, zuerst in Foto Video digital erschienen)

Der, die, das TV

Nachdem ein Text erstmal veröffentlicht wurde, findet jeder Journalist sofort alle Tippfehler – seltener davor. Leidgeprüft, wie die Kollegen nunmal sind, war die Schadenfreude daher umso größer, als kürzlich eine Firma zum „Lauchevent unserer neuen TVs“ einlud. Ein fehlender Buchstabe hatte aus dem englischen „Launch“ ein deutsches Gemüse gemacht. Der eine oder andere soll sogar nachgefragt haben, ob er Knoblauch oder Schnittlauch beisteuern könne.

Neben dem Wort für die Präsentation neuer Geräte hat sich hier freilich ein Anglizismus eingeschlichen, der gelegentlich für Verwirrung sorgt: Der Ausdruck „TV“ für den Apparat im Wohnzimmer. Im Deutschen stehen diese beiden Buchstaben eigentlich nur für das Fernsehen an sich, während vor allem die US-Amerikaner damit auch das Gerät selbst bezeichnen; und neuerdings auch als „HDTV“, wenn es sich einen hochauflösenden Schirm handelt.

Was eine weitere Frage aufwirft: Heißt es der oder das TV? In einem Großverlag bestanden die hauseigenen Korrektoren (gibt es wirklich noch) auf die sächliche Form, meinten aber das Fernsehen an sich, während die Redakteure „mein neuer Tiewieh“ sagen, also von einem Gegenstand sprechen. In einem anderen Haus steht sogar „der Fernseher“ auf dem Index, weil es sich dabei, so die Meinung der Chefredaktion, bei diesem Wort um die Person vor dem Schirm handele. „Der TV“ dagegen ist erlaubt.

Ebenfalls tückisch ist es, für einen Produktstart das englische Verb „to launch“ zu verwenden. Das Wort passt nämlich schlecht in einen deutschen Text, trotzdem wird hemmungslos „gelauncht“ oder so ähnlich. Heikel an derartigen Worten ist die Einstellung des Textverarbeitungsprogramms, das meistens auf Deutsch fixiert ist, genauso oft auf automatische Korrektur. Der Thesaurus kennt natürlich „launchen“ nicht, sehr wohl aber „Lauch“ – und ersetzt dann das eine durch das andere.

Wie wäre es, wenn eine solche Software mal den tatsächlich verwendeten Wortschatz deutiger Schreiber berücksichtigt? Da könnte man doch etwas „launchen“.

(7. 12. 2013, in Auszügen erstmals erschienen in Foto Video digital)

4k: Pixel im Sonderangebot

Das ist schon verrückt: Kaum hat man mit UHD (4k-Auflösung) einen Hoffnungsträger, da wird er schon verrissen. Nicht von der Kritik (siehe https://loehneysen.wordpress.com/2013/11/27/46/), sondern von den lieben Herrschaften der anderen Marken. Vorbei die Zeiten, also solche Schirme sündhaft teuer waren, jetzt sind sie sündhaft billig. 550 Euro werden für 39 Zoll verlangt, auch 50 Zoll für 1.400 Euro sind machbar. Das große Geld verdient man so jedenfalls nicht.

Es stellt sich die Frage, warum ein UHD-Schirm eigentlich mehr kostet als einer mit geringerer Auflösung. Dass manchen Kunden offensichtlich bereit sind, für 4k mehr zu zahlen als für einen Schirm mit weniger Pixeln, ist kein Argument; und dass mehr Pixel ihn automatisch besser machen auch nicht, da müsste man erstmal nahe genug sitzen und die hochauflösenden Quellen haben. Ansonsten ist jeder Hersteller frei, den Preis selbst zu kalkulieren.

Da fällt zuerst auf, dass sich hier viele nicht etablierte Marken tummeln, etwa Hisense, Haier oder Blaupunkt, auch Philips und Toshiba sind dabei. Gemeinsam ist ihnen, dass sie allesamt keine LCD-TV-Panels herstellen. Dafür haben sie Zulieferer, etwa AUO, Innolux (früher CMI, noch früher CMO), Samsung Display, LG, auch chinesische Firmen.

Sony gehört ebenfalls dazu. Genau wie die Kollegen von Philips hat man mittlerweile das teure Engagement in der LCD-Fertigung beendet und kauft lieber passend zu.

Was aber ist der Aufpreis für ein UHD-Panel? Richtig ist, dass man die vierfache Anzahl an Bildpunkten erwirbt, aber es wäre ein Irrtum, dafür die Vierfache des Preises anzunehmen. Denn die Schirme werden in einem Durchgang gefertigt, unabhängig von der Anzahl der Schaltungen. Nur dass bei einem UHD-Schirm die Elemente gerade mal ein Viertel der Größe eines Full-HD-Displays haben – und hier gilt das Satz von Bruce Berkoff, damals LG.Philips-LCD, dass ein hochauflösender LCD „praktisch ohne Mehrkosten zu fertigen“ sei. Bei Plasma wäre es „ein Bruchteil davon“, so sein Scherz im nächsten Satz. Für OLED-Technik gilt das Gleiche wie für LCD.

In der Tat ist es ja fast egal, ob 1.080 oder 2.160 Transistoren pro Reihe erzeugt werden – der Materialverbrauch und die notwendige Zeit bleiben nahezu gleich. Auch die vertikalen Streifen sind allenfalls etwas schmäler als bisher, wobei sich das auch in engen Grenzen hält: Ein 55-Zöller in 4k hat in etwa die Pixelgröße eines Full-HD-Schirms mit 27 Zoll.

Erleichternd, was den Preis angeht, fällt der Teilungsvorgang der Glasscheiben weg, es ist auch nur ein Kontrollvorgang nötig – auch wenn die Pixel etwas zahlreicher sind und deswegen eher zum Versagen tendieren. Dafür wird dann daraus nur ein Endgerät, mit nur einem Gehäuse, einer Hintergrundbeleuchtung, einem Anschussfeld und einer Elektronik, die aber bei UHD leistungsfähiger sein muss als bei Full-HD. Die entsprechenden Bauteile sind im Angebot einiger Zulieferer, wenn auch aufgrund der geringeren Stückzahlen etwas teurer als bei Full-HD.

Jedenfalls ist kein Wunder im Spiel, wenn ein UHD-Fernseher nur wenig mehr kostet als ein normaler. Vielmehr ist es so, dass sich die Geräte dem Niveau einer Marke anpassen. Nur Gründe für einen Ausreißer nach oben gibt es nicht – egal, ob das Panel selbst gebaut wird (Samsung, LG, Panasonic) oder nicht.

Aber natürlich will sich kein Hersteller einen Flop erlauben, sind die UHD-Schirme doch in der Modellpalette ziemlich weit oben angesiedelt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie auch wirklich gut sind. Viele Pixel alleine machen noch keine perfekten Farben, helfen nicht beim Kontrast oder bei der Bewegungsdarstellung. Also kann ein UHD-Modell auch ziemlich schlecht sein. Nur teuer muss es nicht sein.

(6. 12. 2013)

Black Friday: Das können Sie sich sparen

Ich will mein Email-Postfach zurück! Derzeit blockieren jede Menge Angebote andere Mitteilungen, auch und vor allem die wichtigen. Dabei ist nicht alles Spam. Vielmehr hat die Elektronik-Branche den Tag vor Thanksgiving entdeckt, um endlich in die Schwarzen Zahlen zu kommen. Man nennt diese Tag Black Friday, und da wirft jeder Händler oder Hersteller die große Maschine an, um seine Offerten bekannt zu machen. Was gibt es da einfacheres und billigeres als Email, vor allem, wenn der Besitzer der Adresse sich als Interessent zu erkennen gibt? Genau das tut er aber, sobald er sich in ein Formular auf der Webseite einträgt, oder seine Postadresse anderweitig hergibt.

Und das tut man doch, wenn man bei Neuheiten auf dem Laufenden bleiben will.

Aber jetzt ist Schluss. Offenbar wird mit den Adressen ein schwunghafter Handel getrieben, anders ist ihre weite Verbreitung nicht zu erklären. Formulare werden nicht mehr ausgefüllt. Facebook, LinkedIn und andere Portale sind mit der Adresse freizügig genug.

So interessant eine Website auch sein mag, so attraktiv das Angebot. Das werde ich mir zukünftig sparen, denn Preisermäßigungen von 64 Prozent oder mehr gibt es auch bei deutschen Sonderangeboten. Originellerweise heißt die Aktion auch hierzulande Black Friday oder Cyber Monday (wenn es erst am Montag danach eintrifft).

Vielleicht bekomme ich auf diese Weise mein Postfach zurück.

(1. 12. 2013)