Satz-Zeichen, die dritte: Anführung, Unterführung

Hier ist noch so ein Satzzeichen, mit dem manche Autoren so ihre liebe Not und Mühe haben: Das Anführungszeichen, auf das meistens auch ein Schlusszeichen folgt. Gemeinhin gilt es als Ausweis guter journalistischer Arbeit, denn Artikel sollen möglichst viele wörtliche Zitate dritter Personen enthalten. Das zeigt immerhin, dass man zumindest mit ihnen gesprochen oder sie zumindest gehört hat.

Außer bei Zitaten verwenden manche Schreiber das Anführungs- und Schlusszeichen auch gern als Hilfmittel, einen bestimmten Sachverhalt hervorzuheben oder eine Redeweise zu betonen. Das findet man unter anderem beim Metzger, ohne nun Namen nennen zu wollen. Denn wenn hier auf der Tafel oder am Schaufenster steht: Heute: “Kalbfleisch”, dann in der Regel deswegen, weil es sich um so genanntes Kalbfleisch handelt, auch wenn man es so nennt.

Gleiches gilt, wenn hier zum Beispiel  so genannte Bratwürste angepriesen werden. Auch sie gibt es in echt, obwohl der Metzgermeister sie so nennt. Es ändert aber nichts an der Aussage, wenn man auf die Anführungszeichen verzichtet.

Rätselhaft wird ihr Gebrauch, wenn man anlässlich einer Veranstaltung von einem Trupp liest, der “unter’m Bierhimmel” landet (alle Zitate Wochenendbeilage der PNP oder www.pnp.de). Vielleicht war das entsprechende Zelt mir oder ohne Apostroph so beschriftet, vielleicht hat es den Autor auch an die Sendung “Unter unserem Himmel” im Bayerischen Fernsehen erinnert, wo die Satzzeichen berechtigt sind, weil es sich dabei um einen Namen handelt – der aber anders als “Helmut” in Anführungszeichen gesetzt werden darf, weil man ihn vom Text “Untern unserem Himmel regnet es” unterscheiden will.

Jedenfalls erinnert es mich an den Kollegen, der zu sagen pflegte: “Und führet uns nicht in Versuchung, sondern suchet uns in der Unterführung.”

Schlusszeichen. Über Auslassungzeichen wird noch zu reden sein, unter Auslassung des Ausdrucks vom so genannten Deppen-Apostroph.

(13.4.2013)

Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen.

Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er/sie die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu  holen)  hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

Wo laufen sie denn? E-Autos und Kollegen

Es ist wieder mal Zeit für eine Kollegenschelte. Heute steht in meiner geschätzten “Süddeutschen” ein Beitrag über Elektroautos und die Messe in Detroit. Der Tenor ist dabei recht simpel, auf einen Nenner gebracht: Die deutsche Autoindustrie stellt ihre Wagen in die Ecke, und tut auch sonst recht wenig für die Vermarktung von abgasfreien Fahrzeugen. Abgesehen davon, dass auch Elektroautos nicht abgasfrei sind, denn auch ihr Strom muss – und sei es mit Braunkohle – erzeugt werden. Auch der Zwischentitel “Die Leute haben Angst, dass ihnen auf längere Strecken der Saft ausgeht” suggeriert Ähnliches, denn man muss diesen “Leuten” die Angst nehmen. Was aber, wenn eine Batterie nach 150 Kilometern wirklich keinen Strom mehr hergibt? Was sagt der Autor (oder die Autorin) der vierköpfigen Familie auf dem Weg in die Dolomiten, wenn das Ding sich nicht mehr bewegen mag? “Alle aussteigen und zu Fuss gehen”. oder “Schieben bitte”? Wie hält er die Bande bei Laune, während der zehnstündigen Lade-Pause? Oder geht man davon aus, dass die Hersteller sowieso alle lügen, wenn sie die technischen Daten verfassen? Liegt es – wie Hegel vermuten würde – am fehlgeleiteten Glauben der Menschen, dass die Batterien nicht mehr Strom fassen? Die E-Autos taugen eh nichts, und sie machen das schöne Geschäft mit den Benzinern kaputt. Also wollen wir sie nicht, und schon gar nicht den “Leuten die Angst” nehmen . . .

Auf die großen Firmen einprügeln ist immer einfach, und jede Gegendarstellung adelt doch. Ein Glück, dass es auch kleine Firmen gibt, die man ungestraft loben kann, zum Beispiel Tesla Motors mit seinen sündhaft teuren Mobilen, in denen sowieso nur japanische Zellen aus dem Supermarkt stecken. Immerhin hat man eine Steuerungs-Elektronik selbst programmiert, die man nun für teures Geld weiterverkaufen kann. Elon Musk, der Paypal- und Tesla-Gründer, hat schon immer die Kohle anderer Leute geschätzt und dabei ordentlich was für sich behalten. Sicherlich haben die “Leute” “Angst”, dass ihnen nach dem Tesla-Kauf “der Saft” (in flüssiger Form) ausgeht. Oder wie will man die mageren Verkaufszahlen erklären?

Wenn also die Akkus nicht mehr hergeben, und das trotz “Milliarden”-Investitionen, dann müsste man den Strom an Bord erzeugen. Aber die Wasserstoffzelle kommt nicht so richtig voran, vor allem, weil man den Sprit nicht in einen normalen Tank schütten kann. Und der “Range Extender”, den die deutsche Industrie für ihre Autos anbieten, arbeitet wieder – pfui bäh – mit schmutzigem Benzin, auch wenn es in den Bergen das Schieben (raufwärts) erspart.

Genug der Kollegenschelte. Mehr Recherche (siehe Schneider und die Chinesen: nichts zu holen) hilft hier nicht weiter. Aber ein anderer Vorschlag: Liebe Autorin, aussteigen, schieben. Und keine Angst! Es lebe die Baunkohle-Lobby.

(16. 1. 2014)

curved-screen

Gebogener Schirm: krumme Sache

Es ist der letzte Schrei, aber wahrscheinlich nicht unbedingt das ganz große Wunsch der Konsumenten, zumindest hat man in den letzten Jahren sehr wenig Klagen über flache TV-Geräte gehört: krumme oder gebogene Fernseher, die man neuerdings sogar selbst biegen kann. Für dem Zuschauer ist das ganz nett und so begründen die Hersteller diese Eigenschaft auch mit dem Vorteil einer freien Sicht auf das Bild, egal an welchem Sitzplatz.

Was für einen Grund kann es geben, einen Fernseher gebogen zu gestalten? Samsung und LG sagen, dass damit ein intensiveres TV-Erlebnis möglich würde, weil sich der Zuschauer stärker einbezogen fühlen würde. Man kennt das so ähnlich von Kuppelkinos oder anderen gebogenen Riesenleinwänden. Auf der CES jedenfalls hatten beide koreanische Firmen 55 Zoll große OLED-Schirme mitgebracht, die sich zum Betrachter hin biegen (siehe auch http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/ces-fernseher-die-tv-industrie-macht-krumme-dinger-a-942359.html).

Mindestens genauso wichtig wie die Zuschauer sind Samsung und LG allerdings die Zurschaustellung ihrer Technologien. Denn solche Krümmungen sind vor allem mit OLED möglich, LCDs und erst recht Plasma lassen sich so kaum bauen. Neuerdings kann der Benutzer den Schirm auch selbst biegen.

Allerdings darf man den Sinn der Anstregung bezweifeln. Die Krümmung bringt eine leichte Verbesserung für eine Person genau in der Mitte vor dem Schirm – wer etwas seitlich sitzt (siehe Bild oben), sieht dagegen Verzerrungen, weil die geometrischen Abstände nicht mehr stimmen.

(9. 1. 2013, zuerst erschienen in audiovision)

OLED: der ist immer scharf

Heute war eine Mitteilung im elektronischen Postfach, die hielt das Große Lob auf die OLED-Technologie: „ . . . sorgt für ein atemberaubendes Fernseherlebnis. Sie bewirkt, dass keine erkennbare Unschärfe auf dem Bildschirm zu sehen ist, so dass die Bilder selbst bei schnellen Action-Bildern gestochen scharf bleiben.“ Ob dadurch eine Naturdoku „atemberaubender“ aussieht als auf anderen Displays, muss eher offen bleiben. Wahrscheinlich so „unvergleichbar“ wie das Nuckeln von Krombacher aus der Flasche. Werbesprache halt.

Nachvollziehbar ist aber, dass OLED in der Darstellung allen anderen Verfahren überlegen ist. Es reagiert schneller als LCDs, die deswegen eine Bewegungsunschärfe aufweisen, wenn sie nicht mit 200 Hertz oder mehr getaktet werden. So, wie eine Kamera mit einer 100stel-Sekunde ein unscharfes Bild produziert, wird die Bewegung auch bei dieser Wiederholrate unscharf wirken. Richtig ist, dass OLED einen besseren Kontrast realisiert als jedes andere Verfahren. Stellt man auf dem Schirm eine Seite 100 Prozent Schwarz und die andere maximales Weiß dar, werden beide Segmente optimal realisiert. Denn es scheint nichts von hinten durch, wie das bei LCD passieren kann, das Umgebungslicht wird – anders als bei Plasma – stark geschluckt, so dass der Kontrast auch in hellen Räumen besser wirkt als auf anderen Bildschirmen. Damit ist die Kante zwischen Schwarz und Weiß sehr scharf.

Dass man darauf keine “erkennbare Unschärfe” mehr sehen kann, ist freilich blanker Unsinn. Wenn der Kameramann nicht oder falsch focussiert hat, ist die Darstellung auf einem OLED so unscharf wie auf jedem anderen Display. Sicher, OLED hat auch Nachteile, etwa die Veränderung der Farben im Laufe der Jahre, auch die schräge Betrachtung ist offenbar nicht perfekt. Aber mit keinem anderen Verfahren lassen sich biegsame, durchsichtige und extrem dünne Schirme bauen.

(7. 1. 2013)

Smartwatch: jede Menge Uhrlaub

„Können Sie mir mal zeigen“, wird demnächst die Frage lauten, „wie es bei Bayern gegen Dortmund steht?“ Das wird man so selbstverständlich fragen wie heute nach der Uhrzeit. Denn die Stelle der Armbanduhr wird, wenn man Branchenexperten Glauben schenken mag, demnächst das TV-Gerät besetzen. Aus dem Smart-TV wird, so die Vorhersage, die Smart-Watch, die ihrerseits wiederum das Smartphone ablöst. Hauptsache smart.

Ob man demnächst also mit seinem Handgelenk spricht oder seinen Facebook-Status updated, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls soll das Smartphone ebenfalls dem Aus entgegensehen, denn seine Funktion übernimmt ebenfalls in die Uhr.

Technisch ist das möglich, keine Frage. Viel mehr als ein Prozessor wird dafür nicht benötigt, ein Funkbaustein, ein Speicher und natürlich eine Stromversorgung. Dazu kommt die Bedienung, die man par Mini-Tasten oder Touchscreen machen kann, doch damit fangen die Probleme gerade erst an. Kann ein Bildschirm von gerade mal zwei Zentimetern überhaupt so hochauflösend sein, dass man die Schrift gut liest? Was ist mit eventuellen Sendungen in Ultra-HD (siehe auch 4k: Pixel im Sonderangebot)? Das Problem ist nicht neu, denn auch schon das Smartphone hat eine eher klein geratene Darstellung. Wird man also eine Lupe mitliefern oder gegebenenfalls das Bild irgendwohin projizieren, wo es gut lesbar ist? Oder den Schirm ausrollen, so dass er sich auf ein Mehrfaches seiner Größe erstreckt?

Die Bedienung könnte man ja vielleicht noch hinkriegen, indem man einen möglichst spitzen Stift beilegt, der die kleinen Tasten erwischt, oder durch Sprachsteuerung. Doch ein Display von einem Meter oder gar 100, 110 Zoll passt nun wirklich nicht an den Arm, auch wenn es quasi nichts wiegt. Der Trend geht zu immer größeren Bildschirmen, am besten in den Abmessungen einer Kinoleinwand oder einer kompletten Wohnzimmerwand.

Ein Fernseher am Arm mag in einem James-Bond-Film ein netter Gag sein, in der Praxis ist er es nicht.

(6. 1. 2014)

Schneider und die Chinesen: nichts zu holen

„ . . . vier Jahre später erstanden Chinesen den ehemaligen Fernseherhersteller Schneider, zogen das Know-how ab und verlagerten die Produktion.“ Bevor man so etwas (Süddeutsche Zeitung von heute, Wirtschaftsteil) schreibt, möchte man den Kollegen einmal einen Realitäts-Check empfehlen: Einfach mal in ein TV-Geschäft gehen und sehen, wie viele in China hergestellte Geräte mit dem Namen Schneider dort verkauft werden – genau genommen genau null. Danach wird es schon schwieriger, einen solchen Satz zu schreiben und das eigene Vorurteil aufrechtzuhalten, den Chinesen ginge es vor allem um den „Zugang zu unseren Märkten“ (als ob wir im Besitz eines Marktes wären).
Wenn das wirklich Ziel der Schneider-Übernahme durch TCL  aus China gewesen wäre, hätte man auch eine andere Firma kaufen können. Sich den Klotz einer TV-Herstellung in Türkheim ans Bein zu binden, wäre schon damals nicht sinnvoll gewesen, denn Schneider hatte keine nenneswerten Marktanteile. Und die Computer kamen von einem Lieferanten und wurden zusammen mit Amstrad (England) entworfen. Möglicherweise stammten sie sogar aus dem weiten Reich von TCL, der allerdings den Vertrieb noch vor den TV-Geräten einstellte. Viel Know-how zu übernehmen gab es jedenfalls nicht.
Anders bei den Fernsehern, deren Herstellung und Konstruktion wirklich „Made in Germany“ waren. Schneider gehörte hier eher ins untere Marktsegment, war jedenfalls nicht „premium“, wie man heute sagen würde. Know-how in der Herstellung war aber ebenfalls nicht vorhanden, denn man baute weder die Bildröhren noch die Elektronik-Komponenten selbst. Die kamen überwiegend von Thomson, ITT, später Micronas und Philips, wo man bei Abnahme einer ausreichend großen Stückzahl ein Referenz-Design umsonst geliefert bekam. Das hatte TCL natürlich nicht nötig, denn die Firma war damals schon ein in China führender Anbieter mit eigener, gut ausgelasteter Fertigung.
Große Wellen machte dagegen damals die Entwicklung eines „Laser-TV“, der aber in Wahrheit gar kein TV war, aber dennoch den Börsenkurs in die Höhe wachsen ließ. Es handelte sich dabei eher um einen Projektor mit Laser als Lichtquellen, dessen Entwicklung die DDR-Firma Jenoptik vorangetrieben hatte. Zuständig dafür war eine kleine Abteilung in Gera, wo es zeitweilig einen funktionsfähigen Rückprojektor (also eine Art Fernseher) gab. Daran jedoch hatte TCL kein Interesse, die Technik wurde ausgelagert und später an Jenoptik beziehungsweise Rheinmetall abgegeben. Das sagenumwobene Know-how bestend allerdings gerade mal in einem Patent zur Farbraumkonversion, die den Laser TV-tauglich macht, indem die Farbumfänge reduziert und heruntergerechnet werden.
Im der Rüstungsindustrie war das Interesse auf Flugsimulatoren beschränkt, mit denen man auch in einer bewegten Kapsel ein realistisches Bild projizieren kann. Dafür waren bis dahin schwergewichtige Dreiröhren-Beamer eingesetzt worden. Mit Laser-Technologie genügt dafür ein leichtes Glasfaserkabel, das die Lichtimpulse zum Projektionskopf überträgt. Wichtigstes Bauteil aber war der Laser in den drei Grundfarben, den Osram in Regensburg entwickeln sollte. Von Know-how „zum Abziehen“ also auch hier keine Spur.
Ähnliches galt für das größte Problem, den so genannten Speckle. Um dieses Glitzern, also die Interferenz des Laserstrahls mit sich selbst, zu unterdrücken, hatte Schneider angeblich sogar eine Lösung, obwohl der Effekt schon Sony zum Aufgeben dieser Entwicklung veranlasst hatte. Wirklich bewältigt ist das Problem aber bis heute nicht.
Lichtquellen und Scanner in ausreichender Geschwindigkeit gibt es inzwischen, allerdings noch nicht in Konsumer-freundlichen Preisklassen. Die Chinesen von TCL hatten daran aber kein Interesse, denn sie waren dran, im Joint Venture mit Thomson größter TV-Hersteller der Welt zu werden – sogar ohne eigene Röhrenfertigung. Das Engagement bei Schneider war danach eher hinderlich und wurde eingestellt.
So viel zum Thema Schneider und die Chinesen. Manchmal ist es doch hilfreich, erst einmal zu recherchieren, bevor man schreibt.
(27. 12. 2013)

Pech und Rätsel

Auch Personen, deren Handwerkszeug die deutsche Sprache ist, geraten manchmal an Sätze, die ihnen Rätsel aufgeben – obwohl es sich auch hier, anscheinend, um Deutsch handelt. Mein Favorit heißt „Start/Ziel durch äquivalenten Bahnhof ersetzt“ und steht auf diversen Fahrkarten, die man im Internet kauft. Dabei ist einigermaßen klar, was mit „Start/Ziel“ gemeint sein könnte, zum Beispiel „Eggenfelden“, was auf der Bahn-Webseite im Web immer moniert wird, weil es noch „Eggenfelden-Mitte“ und diverse Bushaltestellen gibt. Warum man aber den schönen Namen dieses Ortes durch „Eggenfelden-Bahnhof“ ersetzen muss, wird dabei nicht erklärt. Vielleicht, damit man es von „Eggenfelden-Schellenbruckplatz“ unterscheiden kann und nicht aus Versehen falsch aussteigt. Man hat’s halt nicht leicht, wenn man nur geistig Minderbemittelte als Kunden hat.

So oder ähnlich müssen die Macher des intelligentesten Betriebssystems der Welt gedacht haben, von Mac OS-X 10.5.8 zum Beispiel. Da tut sich seit einiger Zeit eine Art Blase auf, wenn man den Cursor über bestimmte Felder bewegt. Wer ein Dokument faxen will, sieht zum Beispiel über dem Text „Warten auf betriebsbereites Modem“ eine gelbe Fläche, die folgenden Text enthält: „Warten auf betriebsbereites Modem“. Was dieser Satz erklären soll, das erschließt sich bestimmt nur super-intelligenten Usern, die aber leider nicht mit der Mac-Software arbeiten. Sonst müsste diese Einblendung nicht sein.

Das erinnert mich an das Telefon, das ich in meinem früheren Leben benutzt habe, als ich noch fest angestellt, gut verdienend und super-intelligent war. Da gab es einen der vielen Knöpfe, dessen Beschriftung lautete: „Außenverbindung sperren“. Weil sich mir das in meiner Super-Intelligenz nicht erschloß, kramte ich eines Tages in den Tiefen meines ebenfalls fest angestellten Schreibtisches und stieß auf eine Bedienungsanleitung für das Gerät, die wie es selbst übrigens aus Deutschland kam.

Freundlicherweise hatte diese Anleitung ein Kapitel, das die Funktion der Tasten erklärt. Neugierig geworden schaute ich nach, was dieser Knopf mit der Aufschrift „Außenverbindung sperren“ für eine Bedeutung haben könnte – um dann belehrt zu werden, er würde die „Außenverbindung sperren“, was mich nur unwesentlich schlauer zurückließ in meiner Super-Intelligenz. Erklärungen sind halt Glückssache, und manchmal kommt auch noch das Pech dazu.

(19. 12. 2013)

Der große Fahrrad-Preis

Was ist Ihr Fahrrad-Preis? Sagen Sie nicht 298 Euro, mit einer Mark-Angabe outen Sie sich sogar als Oldtimer. Wahrscheinlich setzt es sogar schon etwas Rost an, von der Staubschicht gar nicht zu reden. Denn es geht um den „Deutschen Fahrrad-Preis“ (Details unter http://www.der-deutsche-fahrradpreis.de/ ), der in einem Jahr verliehen wird, und Preise im Wert von 5.000 Euro, für ein originelles Foto zum Thema Fahrrad. Auch wer sich an der Abstimmung beteiligt, nimmt an der Verlosung teil.

Solche Sachen stecken zwischen den unsinnigen und den „Black Friday“-Emails ( siehe Meldung vom 1. 12., https://loehneysen.wordpress.com/2013/12/01/black-friday-das-konnen-sie-sich-sparen/ ), wenn man erstmal als Video- und Foto-Berichterstatter registriert ist. Es sei die These gewagt, dass der Versand dann nicht geschähe, wenn pro Email ein Cent verlangt wird. Aber was soll’s, ich würde das Geld ja ohnehin nicht bekommen.

Dafür entschädigt diese Post mit dem Klassiker zur Einleitung: „Es ist wieder soweit“, weil wir alle ja schon sehnsüchtig drauf gewartet haben. Schließlich heißt es: „Bitte antworten Sie nicht auf diese Email.“ Ich bin weit entfernt davon.

Hey du, stups mal wieder

Es ist ein „schwaches Verb“ aus der Umgangssprache, sagt der Online-Duden, die Häufigkeit liege leicht über Null, und es bedeutet ungefähr das Gleiche wie „schubsen“. Jedenfalls muss man sich erst einmal bei Facebook anmelden, um mit dem Verb stupsen vertraut zu werden. Es gehörte bisher nicht zu meinem aktiven Wortschatz, aber jeder Facebook-User kennt die Variante „anstupsen“.

Das ist die Methode, einem „Freund“ auf sich aufmerksam zu machen, auch wenn es wie etwas Unanständiges klingt (was Facebook natürlich automatisch entfernen würde). Also sollte man eine Geschäftspartnerin besser nicht „anstupsen“, auch beim Chef oder einem seriösen Gesprächspartner wäre ich zurückhaltend. Man stupst jemand an, dem man auch einen Knuff in die Seite gibt, jemand den man mit „du“ anspricht.

Ohnehin täte Facebook eine kleine Überarbeitung gut. Wer einmal dabei ist, dessen „Beziehungsstatus“ bleibt für immer auf „ledig“, egal ob er das mitteilen möchte. Wer ihn dagegen auf „verheiratet“ ändert, kann sich an diesem Tag vor lauter Glückwünschen kaum retten. Auch die Schule lässt sich nachträglich kaum ändern, es wird statt dessen ein Name eingetragen, von dem man noch nie gehört hat. Ärgerlicherweise ist das Bildungswesen ganz auf die US-Struktur zugeschnitten, Grundschule zum Beispiel kommt hier nicht vor. Ein Gymnasium gibt es genauso wenig wie das Abitur.

Es wäre halt gut, wenn sich ein Deutscher oder eine Deutsche mal an die Texte setzen würde. Mit oder ohne Stupsnase.

(13. 12. 2013)